GV+Schlagzeilen 2012/13

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SCD-Generalversammlung 2013
 

An der 89. Generalversammlung des Fussball-1.-Ligisten SC Düdingen konnte Co-Präsident Beat Hirschi über eine sportlich und finanziell gelungene Saison 2012/13 berichten. Das Hauptaugenmerk für die nächste Periode liegt beim Stadionbau im Birchhölzli.

Nachdem das Klubchörli traditionell mit zwei Liedern die GV vom Freitagabend in Garmiswil eingeleitet hatte, wurde im Jahresbericht der Co-Präsidenten auf die Hauptereignisse in der abgelaufenen Saison eingegangen. Bereits seit drei Jahren leitet ein Trio die Geschicke des Vereins, und gemäss Beat Hirschi scheint dieses Modell nicht nur bestens zu funktionieren, sondern wird sogar vielerorts kopiert. Die ehrenamtliche Tätigkeit in einer Vorstands- oder Trainerfunktion sei immer noch eine interessante Tätigkeit und eine gute Lebensschule. In diesem Zusammenhang waren auch die Ausführungen von SR-Betreuer Heinz Leuenberger zu verstehen, der wie bei allen Vereinen auch in Düdingen nach neuen Schiedsrichtern unter den Klubspielern sucht.

Sportliche Ziele erreicht

 In ihren Berichten gingen die verschiedenen technischen Leiter der Teams auf die Resultate und Klassierungen ihrer Mannschaften ein. Für Spiko-Chef René Cavigelli war das Cupspiel gegen Thun (3:4 nach Verlängerung) der Höhepunkt der Saison, die Meisterschaft war mit Rang fünf und 1,73 Punkten pro Spiel die beste bisher und zudem konnte Trainer Martin Lengen–der weiterhin die Geschicke der ersten Mannschaft leiten wird–wie gewünscht einige Nachwuchstalente ins Fanionteam einbauen. Punkto Titel überstrahlte das «Double» der Veteranen die Jahresbilanz und auch der erste Platz der Junioren A in der Inter-Herbstrunde zählt zu den vielen Erfolgen des SCD. In der nächsten Saison geht es für den 1.-Ligisten vorweg darum, die Abgänge der vielen erfahrenen Stammspieler zu ersetzen. Der Plan der Klubleitung ist es, dies mit jungen erfolgshungrigen Spielern aus der näheren und weiteren Umgebung zu tun. Neu eingetreten in die Juniorengruppierung mit Düdingen sind der FC Schmitten und FC Wünnewil-Flamatt.

 Dass ein Klub in der Grössenordnung wie Düdingen im Schweizer Fussball Ende Saison schwarze Zahlen schreibt, ist nicht unbedingt an der Tagesordnung. Finanzchefin Astrid Engel konnte den Klubmitgliedern nach verschiedenen Rückstellungen noch einen stolzen Gewinn von 12 598 Franken präsentieren. Die Jahresrechnung zeigte Einnahmen von knapp 600 000 Franken, auf der anderen Seite belaufen sich die Personalkosten für 1.-Liga-Verhältnisse bei relativ bescheidenen 356 000 Franken (inklusive Saläre von Buvette und Junioren-Trainern). Viel zu den guten Zahlen trugen wie jedes Jahr das von Walter Pesenti und seinen Helfern organisierte Dorfturnier und die Einnahmen aus dem Cupspiel bei. Für den Stadionneubau (siehe Kasten) sind ebenfalls schon gut 100 000 Franken aus der eigenen Klubkasse bereitgestellt. Das Budget im nächsten Jahr soll mit vorsichtig geplanten Ein- und Ausgaben ausgeglichen gestaltet werden.

Das Traktandum Wahlen verlief wie die gesamte Versammlung speditiv. Ehrenpräsident Armin Zurkinden durfte die drei bisherigen CO-Präsidenten Beat Hirschi, Alexander Schmutz und Erwin Spicher für ein weiteres Jahr vorschlagen. Die Wahl wurde wie bei den anderen fünf verbleibenden Vorstandsmitgliedern mit grossem Applaus bestätigt. Einzig beim Juniorenobman gibt es eine Mutation: Auf Franco Lazzari folgt das SCD-Urgestein René Spicher. Zu Freimitgliedern wurden Claudia Schwaller und Renaldo Vogelsang (neu Co-Trainer bei YBs U21) gewählt. Die wichtige Funktion der Softwarelösung Clubcorner betreut auch in der neuen Saison Sigi Perroulaz. Das neue elektronische Lizenz- und Aufgebotsystem ohne die alten Spielerpässe wird in der Anfangsphase alle Klubs beschäftigen.

 1. Liga Classic. Mutationen im Kader des SCD für die Saison 2013/14.
Zuzüge: Elias Aguidi (YB U21, Jg. 93), Ivan Baeriswyl (Thun U21, 93), Yannik Glatzfelder (Inter A, 94), Adoulaye Koné (FCF, 94), Emal Uka (Léchelles, 89).Abgänge: Marco Fasel (2. Mannschaft), Pascal Jenny (Rücktritt), Slaven Savic (?), Lukas Schneuwly (Rücktritt), Fabian Stulz (FC Kerzers), Michael Stulz (Rücktritt).

Birchhölzli: Stadion-Projekt in vollem Gang
A m vergangenen 10. Dezember sagten die Stimmbürger der Gemeinde Düdingen bekanntlich ja zum Projekt Birchhölzli. Dies sei ein historischer Tag für den Klub gewesen, sagte Co-Präsident Beat Hirschi an der GV. Schon in diesem Sommer beginnen nun die Arbeiten für die Neuerstellung des Stadions. In einer ersten Phase wird auf dem Hauptterrain der Naturrasen durch einen neuartigen Kunstrasen ersetzt. Die Finanzierung der AG ist mit zwei Millionen Franken dank grosszügigen Sponsoren gesichert. In den nächsten Wochen werden zudem noch neue Aktien gezeichnet.

HEADLINES

 

Hier werden nur einige Schlagzeilen herausgepickt - Weitere News zu dieser Saison finden Sie in den Rubriken: News 1999 - 2019 und der Gùmpa

 


 

Ein gelungener Abschied

Düdingen gewann am Pfingstsamstag das Freiburger Derby in der 1. Liga Classic gegen Bulle klar mit 6:1. Der Match stand im Zeichen des Abschieds der drei verdienten Spieler Pascal Jenny, Lukas Schneuwly und Michael Stulz.

Für den langjährigen Goalgetter Lukas Schneuwly, der Ende Saison zurücktritt und zumindest eine einjährige Fussballpause einlegen will, war der letzte Heimauftritt ein durchaus gelungener Nachmittag. «Eigentlich stimmte diesmal alles. Das Wetter, die tolle Stimmung auf den Rängen und dann noch meine zwei Tore, mehr kann man nicht verlangen.» Jetzt will es der Wünnewiler sportlich nach fast zwanzig Jahren Fussball etwas gemütlicher angehen lassen. Auf dem Birchhölzli wird man den Bruder der beiden Super-League-Spieler Christian und Marco trotzdem auch in Zukunft sehen, so sehr sei ihm der Klub in den letzten Jahren ans Herz gewachsen.

Warum es dem SCD auch diesmal nicht ganz für die Aufstiegsränge gereicht hat, weiss der Routinier ganz genau. «Immer in den letzten Jahren standen uns mindesten zwei bessere Teams vor der Sonne. Auch dieses Jahr sind Le Mont und YB U21, die zum Teil unter professionellen Bedingungen trainieren, eben um die Spur besser als wir. Aber ich glaube, im Moment ist der Klub in der 1. Liga Classic am richtigen Ort.» Dies auch, weil die verschiedenen jungen Spieler, die jetzt ins Team nachrücken, sich in dieser Liga besser entwickeln könnten, als in der 1. Liga Promotion, die laut Lukas Schneuwly nicht unbedingt attraktiv für kleinere Vereine wie Düdingen sei.

Ein stolzer Trainer

Nicht nur wegen des Prestigesieges gegen Bulle, sondern vorweg wegen der Leistungen in dieser Saison gab sich Trainer Martin Lengen nach seiner ersten Saison als Düdingen-Trainer sehr zufrieden. «Wir werden dieses Jahr die beste Klassierung in der Klubgeschichte einnehmen (Red.: Düdingen kann mit einem Sieg am Samstag in Echallens sogar noch Fünfter werden), und dies zeigt, dass vieles in diesem Jahr bei uns gut gelaufen ist.» Für seine drei scheidenden Spieler sei der Match ein optimaler Abgang gewesen, sie hätten dem eigenen Anhang nochmals zeigen können, welch gute Spieler sie jahrelang gewesen seien. Mit Wechseln in der Schlussphase–symptomatisch kamen für die Abtretenden Nachwuchsspieler aufs Feld–gönnte der Chef Jenny, Schneuwly und Stulz einen entsprechenden Abschied, der vom zahlreichen Publikum auch gebührend beklatscht wurde. Zum einseitigen Spiel wollte sich der Coach verständlicherweise nur kurz äussern. «Eigentlich hätte ich von Bulle in ihrer Situation etwas mehr Gegenwehr erwartet, aber mit einem Blitzstart haben wir sie richtiggehend überfahren.»

Die Tage des Naturrasens sind gezählt

Die Stadion Birchhölzli AG baut in Düdingen nicht nur ein Stadion, sondern auch ein zweites Kunstrasenfeld. Die Pläne für Letzteres liegen zurzeit auf.

Das Naturrasen-Fussballfeld im Birchhölzli ist voraussichtlich noch bis Anfang Juli bespielbar. «Gleich nach dem Dorfturnier möchten wir mit dem Einbau des Kunstrasenfeldes beginnen», sagt Beat Hirschi, Co-Präsident des SC Düdingen. Der Umbau des Hauptfeldes wurde bewusst auf den Sommer verlegt, weil die Meisterschaft der 1. Liga erst Mitte August und die Meisterschaftsspiele der anderen Mannschaften Ende August beginnen.«Wir werden auf das zweite Kunstrasenfeld oder den Platz im Leimacker ausweichen können», so Hirschi. Einzig für die 1.-Liga-Spiele sei das bestehende Kunstrasenfeld zu klein. Der Klub werde deshalb anfragen, ob die erste Mannschaft die ersten Spiele auswärts austragen könne. Die Fertigstellung des Kunstrasenfeldes ist für Mitte September vorgesehen. Ende Jahr soll der Bau von Garderoben und Buvette beginnen. 

Vertrag mit Martin Lengen um ein Jahr verlängert

Der SC Düdingen stellt die Weichen für die Zukunft. Das Projekt für ein neues Stadion mit 300 Sitzplätzen beim Sportplatz Birchhölzli wurde im Dezember von der Gemeindeversammlung angenommen, und wenn alles planmässig läuft, spielt der SCD ab der Saison 2014/15 vor neuer Kulisse. Doch auch sportlich baut der Fussballverein an seiner Zukunft. So hat er in der Winterpause den Vertrag mit seinem 1.-Liga-Trainer Martin Lengen und dessen Assistenten Andreas Bachofner vorzeitig um ein Jahr bis zum 30. Juni 2014 verlängert.

«Umbruch weiterführen»

Mit Sylvain Mora und Flavio Cassarà hat der Tabellenfünfte der 1. Liga Classic zudem zwei junge Spieler für die bevorstehende Rückrunde engagiert. Mora, der sämtliche Stationen des Team Freiburg/FFV durchlaufen und für Bulle und YB U21 im Einsatz gestanden hat, spielte zuletzt beim FC Freiburg. In der 1. Liga Promotion kam der 23-jährige Mittelfeldspieler allerdings nur zu acht Teileinsätzen (zwei Tore) und wird wegen einer Verletzung voraussichtlich noch zwei Monate ausfallen.

Auch Cassarà lernte das Fussballspielen bei den Freiburger Nachwuchsteams. Zuletzt stand er für Neuenburg Xamax 1912 in der 2. Liga interregional auf dem Platz.

Neben Mora und Cassarà hat der SC Düdingen mit Marco Fasel und Fabian Suter auch zwei Inter-A-Junioren in das Kader der ersten Mannschaft integriert. «Mit diesen vier Zuzügen führen wir den Umbruch weiter, den wir vor sieben Monaten angefangen haben», erklärt SCD-Präsident Beat Hirschi. «Momentan gehören einige arrivierte Spieler zum Team, die aufgrund ihres Alters nicht mehr so lange spielen werden. Ihren Abgang gilt es so gut wie möglich vorzubereiten und durch junge Spieler aufzufangen. Noch ist nichts klar, aber es wird definitiv einige Änderungen geben.»

Partnerschaft mit dem FC Plaffeien

Im Gegenzug haben mit Luca Hagi (FC Überstorf), Christopher Henchoz (?), Patrick Schmutz und Vegim Berisha vier Spieler den Verein in der Winterpause verlassen. Der Transfer von Schmutz und Berisha vom SCD zum FC Plaffeien ist das erste Ergebnis der neu aufgegleisten Partnerschaft, die die beiden Vereine zukünftig pflegen wollen.

«Für die Inter-A-Spieler des SCD, die aus dem ganzen Bezirk stammen, ist es wichtig, dass sie in einer möglichst hohen Liga Spielpraxis sammeln können», erklärt Beat Hirschi die Hintergründe der neu gegründeten Zusammenarbeit. «Deswegen waren wir in den letzten Jahren stets darum bemüht, neben einer 1.-Liga-Mannschaft auch ein «Zwöö» in der 2. Liga zu haben.» Diesbezüglich habe beim SC Düdingen aber ein Umdenken stattgefunden, erklärt der Präsident. Man wolle die Konkurrenzsituation im Sensebezirk nicht zusätzlich anheizen, indem man neben Überstorf, Plaffeien und Giffers-Tentlingen ein weiteres 2.-Liga-Team stelle. «Ziel unserer Partnerschaft ist es, dass sich die talentierten Nachwuchsspieler in Plaffeien an die 1. Liga herantasten. Wenn sie sich für das Fanionteam des SCD aufdrängen, wechseln sie zurück.»

Von der Zusammenarbeit profitiere auch der FC Plaffeien, findet 2.-Liga-Trainer Richard Aeby. «In der Winterpause habe ich vier Spieler ausmustern müssen. Einen eigenen Junior und einen Spieler der zweiten Mannschaft fanden wir als Ersatz, das wars. Ohne die zwei SCD-Junioren hätten wir die anderen Positionen nicht besetzen können, weil es immer schwieriger wird, Spieler für die 2. Liga zu finden.»

Bilanz der Vorrunde

Vom Ende der Hinrunde zu sprechen ist in der 1. Liga Classic nicht ganz korrekt. Denn zur Winterpause sind bereits 15 von 26 Spieltagen absolviert. Mehr als die Hälfte der Saison ist somit vorbei, die Zwischenbilanz damit noch aussagekräftiger. «Wir haben einen tollen Schlussspurt hingelegt. Wenn mir vor fünf Wochen jemand gesagt hätte, dass wir aus den letzten fünf Spielen zwölf Punkte holen, dann hätte ich sofort unterschrieben», sagt Düdingens Trainer Martin Lengen. Ein starker Start, ein starkes Finish und dazwischen ein Durchhänger–so lässt sich der bisherige Saisonverlauf Düdingens beschreiben.

Einen Grund dafür sieht Lengen im Cup-Match gegen Super-League-Club Thun, den Düdingen nach grossartiger Leistung 3:4 verlor. Solche Spiele sind zwar für Spieler und Fans jeweils das Saisonhighlight, für die Leistungen in der Meisterschaft sind sie jedoch meist nicht förderlich. Düdingen ist bei weitem nicht das erste Team, das dies zu spüren bekam. «Solche Partien sind mental sehr aufwendig. Zunächst einmal ist die Vorfreude gross, und danach ist auch die Verarbeitung solcher alles andere als alltäglichen Spiele schwierig. So hatten wir in der Meisterschaft vor und nach diesem Cup-Highlight ein Tief», sagt Lengen.
In der Tabelle überwintert Düdingen damit auf dem fünften Rang. «Das ist tipptopp», sagt Lengen. «Das ist genau die Tabellenregion, in der wir Ende Saison stehen möchten, nämlich in den Top Fünf.» Lengen zieht deshalb eine positive Zwischenbilanz. «Wir haben gezeigt, dass wir über viel Potenzial verfügen. Wir konnten jeweils auch mit den besten Teams mithalten. Einzig an der Konstanz müssen wir noch arbeiten.»

SCD-Nachwuchs ist Meister

Mit einem 6:3-Sieg über La Charrière hat Düdingen die Meisterschaft der Coca Cola Junior League A gewonnen.

In einer attraktiven Partie gewannen die Junioren A des SC Düdingen zum ersten Mal die Meisterschaft in der Coca Cola Junior League. Obwohl das Resultat mit 6:3 relativ deutlich ausfiel, war es bis in die Schlussphase ein recht hart umkämpftes Duell.

Düdingen - Thun 3:4 (0:3)

Auch wenn dem SCD das Happy End verwehrt blieb, haben die Sensler mit dieser Meisterleistung beste Werbung für sich und den Freiburger Fussball betrieben. Thun-Trainer Bernard Challandes war denn auch voll des Lobes über den 1.-Ligisten: «Wir haben heute viel Glück gehabt und waren echt in Gefahr, aus dem Cup rauszufliegen. Nachdem wir den Gegner zweimal beobachtet hatten, wussten wir über sein Offensivpotenzial Bescheid. Martin Lengen hat sein Team aber hervorragend eingestellt und verdient meine Hochachtung.»

Etwas niedergeschlagen nahm Lengen das Lob seines ehemaligen Förderers entgegen: «Es ist schon sehr hart, nach dieser tollen Aufholjagd noch zu verlieren. Auf diesem Niveau werden Fehler halt sofort bestraft. Da haben wir leider Lehrgeld bezahlen müssen. Ich bin aber sehr stolz auf mein Team und hoffe, dass wir den Schwung nun in die Meisterschaft mitnehmen können.»

Ermin Gigic (Spieler Düdingen): «Einerseits ist es fantastisch, was wir als Team erreicht haben, anderseits ist die Enttäuschung riesig, wenn man auf so ärgerliche Art und Weise verliert. Dass ich gegen Thun zwei Tore schiessen konnte, ist zwar super, es bringt uns aber nichts, wenn wir am Ende doch verlieren.»

Mauro Lustrinelli (Assistenztrainer Thun): «Wir wussten um die Stärken von Gigic. Wenn er in der Super League spielen will, muss er allerdings bereits sein, zu Anfang Opfer zu bringen. Wir hatten ihm im Winter einen Vertrag angeboten, für 4000 Franken im Monat wollte er aber nicht nach Thun kommen. Wir sind halt nicht der FC Basel, der überall wild Spieler zusammenkaufen kann.»

«Unglaublich, unser Losglück»

«Unglaublich, unser Losglück», hatte Beat Hirschi nach der Auslosung des Schweizer Cups frohlockt. Der Präsident des SC Düdingen hatte Mitte August wahrlich allen Grund zum Jubeln: Nachdem der Sensler 1.-Ligist im Vorjahr mit dem Super-League-Vertreter Servette einen spektakulären Cup-Gegner zugelost bekommen hatte, wurde er nun von der Göttin Fortuna mit dem FC Thun beschenkt. «Thun ist das Beste, was uns passieren konnte», so Hirschi.

Mit den Berner Oberländern verbindet man in Düdingen beste Erinnerungen. 2005 waren sie bereits einmal zu Gast im Birchhölzli, ebenfalls im Rahmen des Schweizer Cups. Noch heute gerät Hirschi darob ins Schwärmen, spricht vom «absoluten Höhepunkt der Vereinsgeschichte». 5000 Zuschauer säumten damals den Spielfeldrand, um das Team von Urs Schönenberger, das einige Tage vorher in der Champions League gegen den FC Arsenal gespielt hatte, live mitzuerleben. Thun gewann mit Müh und Not 1:0.

Nach sieben Jahren kommt es heute an gleicher Stätte zum Wiedersehen. Die Vorfreude auf das Spiel ist in Düdingen riesig, auch wenn der heutige FC Thun mit dem Dreamteam von 2005 nicht mehr viel gemeinsam hat. Mit nur sieben Punkten aus den ersten sieben Meisterschaftsspielen ist das Team des temperamentvollen Bernard Challandes verhalten in die Saison gestartet. Erst nach einer «Minikrise» mit drei Niederlagen in Folge schaffte die Mannschaft Anfang September gegen Servette den Turnaround und darf sich nun als Tabellensechster in der Super League wieder nach vorne orientieren.

Es kann nur einen geben

Auch für Thun-Stürmer Marco Schneuwly war der 3:0-Sieg im letzten Spiel vor der Cuprunde eine Befreiung. Der Wünnewiler erzielte mit einem Kabinettstück sein erstes Meisterschaftstor seit dem 23. Mai.

Mit solchen Treffern möchte der Sensler auch heute glänzen und sein Berner Team ausgerechnet in seiner Heimat, im Fussballzentrum des Sensebezirks, in die nächste Runde schiessen. Die besondere Ausgangslage wird für Marco Schneuwly noch spezieller, weil er in Düdingen zum ersten Mal überhaupt in einem Pflichtspiel auf seinen Bruder Lukas trifft. «Ich freue mich auf das Duell. Ich bin aber froh, dass wir als Stürmer in zwei verschiedenen Platzhälften agieren und uns nicht 90 Minuten lang gegenseitig auf die Füsse stehen müssen.»

Auch Lukas Schneuwly wollte sich für das «Bruderduell» nicht extra zum Abwehrspieler umfunktionieren lassen. «Da würde ich definitiv alt aussehen», flachst der 28-Jährige. Dann wird er aber ernst und meint: «Thun ist haushoher Favorit, aber wir haben durchaus Chancen. Je länger wir das Unentschieden halten können, desto nervöser werden die Berner und desto mehr Risiken werden sie eingehen müssen.» Dass der SCD bei Kontern brandgefährlich ist, haben seine schnellen Stürmer schon oft bewiesen. Würde Schneuwly denn überhaupt jubeln, wenn ihm ein Treffer gegen seinen Bruder gelingen sollte? «Selbstverständlich», schmunzelt er.

3500 Zuschauer erwartet

Dass der SC Düdingen keine Angst vor grossen Namen hat, bewies er im Vorjahr. Da brachte das 1.-Liga-Team im Cup den Super-League-Vertreter Servette an den Rand einer Niederlage und musste sich erst in der Verlängerung mit 1:4 geschlagen geben. «Wir sind gewarnt», sagt denn auch Marco Schneuwly. «Die Düdinger haben eine starke Mannschaft. Mit einem frühen Treffer wollen wir ihre Hoffnungen früh knicken.»

Wie viele Zuschauer dem Duell Schneuwly gegen Schneuwly beiwohnen werden, kann SCD-Präsident Beat Hirschi nur schätzen. «Eine exakte Prognose ist schwer, wir rechnen aber mit 3000 bis 3500 Zuschauern.» Selbst wenn heute nur alle 200 Matchballsponsoren den Weg aufs Birchhölzli finden sollten, hätten die Sensler mehr Zuschauer als bei einem gewöhnlichen 1.-Liga-Spiel.

Ob 200 oder 3500 Zaungäste–die beiden Schneuwly-Brüder möchten «ihr» spezielles Spiel mit einer speziellen Aktion feiern. «Wir haben ein paar Ideen», verrät Lukas, sie müssten aber erst die Zustimmung der Vereine einholen. «Wir hoffen, dass es klappt. Thun hat diesbezüglich eine eher restriktive Handhabung.»

Die Rache des Geschmähten?

Auch Ermin Gigic dürfte für das heutige Cupspiel besonders motiviert sein. Der Düdinger Goalgetter hatte vergangenen Dezember nämlich für Probetrainings im Berner Oberland geweilt und dabei mit einem Treffer im Testspiel gegen Aarau überzeugt. «Trainer Challandes sagte mir damals, dass er mich gerne engagieren würde», so der «Erminator». «Ein konkretes Angebot wurde mir dann aber nie unterbreitet.» Auch wenn Gigic sagt, dass er mit dieser Geschichte abgeschlossen hat, würde er sich heute bei seinen Fast-Teamkollegen nur zu gerne in Erinnerung rufen. Am liebsten mit einem Tor–so wie im letzten Cup-Spiel gegen Servette, als Düdingen lange an der Sensation schnupperte.

Nachwuchsförderung unter Vorbehalt

Mit einem verjüngten Team startet der SC Düdingen heute (19.30 Uhr) bei Thun II in die 1. Liga Classic. Trainer Martin Lengen soll diese Saison nicht nur sportlich erfolgreich sein, sondern auch die Weichen für die Zukunft stellen

Martin Lengen, Sie walteten im vergangenen Jahr beim 2.-Ligisten FC Kerzers erstmals als Cheftrainer. Konnten Sie in dieser Zeit das nötige Rüstzeug sammeln, um diese Saison mit dem SC Düdingen in der 1. Liga bestehen zu können?

Die Anforderungen an einen Trainer sind in der 1. Liga natürlich vielfältiger als in der 2. Liga. Das Niveau ist höher, die Trainingsplanung intensiver und die Matchvorbereitung zeitaufwendiger. Da ich vor meinem Jahr in Kerzers fünf Jahre Assistenztrainer beim SCD war, weiss ich sehr gut, was in der 1. Liga abgeht. Zudem kann ich auf meine Erfahrungen als Spieler der Super League zurückgreifen. Es wird zweifellos eine grosse Herausforderung, ich bin aber zuversichtlich, dass ich sie erfolgreich meistern werde.

Ursprünglich war geplant, dass Sie erst nächste Saison als Cheftrainer zum SCD zurückkehren ...

Das stimmt. Der Verein hat mich schon vor meinem Engagement in Kerzers wissen lassen, dass er mich gerne als künftigen Trainer engagieren möchte. Zunächst sollte ich aber Erfahrungen als Cheftrainer sammeln. Geplant gewesen war meine Rückkehr eigentlich erst für 2013. Weil Martin Weber Ende Meisterschaft aber freigestellt wurde, hat mich der Verein schon auf diese Saison hin als Trainer geholt, um einen Neuaufbau durchzuführen.

Wieso ist ein Neuaufbau nötig?

Momentan gehören einige arrivierte Spieler zum Team, die aufgrund ihres Alters nicht mehr so lange spielen werden. Ihren Abgang gilt es so gut wie möglich vorzubereiten und aufzufangen. Deshalb haben wir einige junge Spieler in den Kader der 1. Mannschaft aufgenommen, sie wollen wir in den nächsten drei bis vier Jahren an die 1. Liga heranführen.

Wird man in dieser Saison also einen stark verjüngten SC Düdingen zu sehen bekommen?

In den Vorbereitungsspielen kamen viele Nachwuchsspieler zum Einsatz, das Durchschnittsalter der Mannschaft lag bei knapp 21 Jahren. In der Meisterschaft wird dies aber kaum im gleichen Umfang geschehen. Integration ist das eine, die Resultate sind das andere. Wir streben einen Platz unter den ersten fünf an, wollen die Hauptrunde des Schweizer Cups erreichen. Da gilt es für mich, den Spagat zwischen Nachwuchsförderung und sportlichem Erfolg zu finden.

In den letzten Jahren fehlte es im Kader des SC Düdingen jeweils an Breite. Wie sieht es für die kommende Meisterschaft aus?

Verletzungen und Spielsperren haben dem SCD in der vergangenen Saison tatsächlich immer wieder Punkte gekostet, weil er wegen des knappen Spielermaterials die Ausfälle nicht gleichwertig ersetzen konnte. Damit dies nicht mehr passiert, hat der Verein das Kader der 1. Mannschaft ausgebaut. Vier Spielerabgängen stehen acht Neuzuzüge gegenüber. So konnten wir auch die Abwesenheit von Daniel Spicher (Auslandjahr, Red.) und den verletzungsbedingten Ausfall von Fabian Stulz (fällt wegen Rückenproblemen mehrere Monate aus, Red.) kompensieren. Durch das breitere Kader wird auch der Konkurrenzkampf gefördert – etwas, das man in Düdingen bisher noch nicht so gekannt hat.

Was spricht in dieser Saison neben dem grossen Kader noch für Ihr Team?

Mehrere Spieler gehören schon seit Jahren zur 1. Mannschaft. Sie kennen sich in- und auswendig, entsprechend gut funktionieren die Automatismen im Spiel. Dann haben wir mehrere sehr routinierte Spieler im Team, von deren Erfahrung nicht nur die Jungen profitieren können. Und wie immer in den vergangenen Jahren zählen Teamgeist und Einsatzwille zu unseren Pluspunkten.

Wo weist Ihr Team Defizite auf?

Beim Defensivverhalten. Es war schon in den letzten Jahren so, dass der SCD zu viele Gegentreffer kassiert hat, die er dann mit vielen Toren wettmachen musste. Das müssen wir noch verbessern. Dabei ist das ganze Team gefordert und nicht nur die Abwehrspieler. Die Verteidigungsarbeit beginnt schon bei den Stürmern und betrifft auch das Mittelfeld.

Mit dem FC Freiburg, Yverdon, Sion II und YB II sind im Sommer vier Teams von der 1. Liga Classic in die 1. Liga Promotion aufgestiegen. Welche Auswirkungen at dies auf das Niveau der kommenden Spielzeit?

Die besten Teams der letzten Saison sind in die neu geschaffene 1. Liga Promotion gerutscht. Gleichwohl denke ich, dass es eine schwierige und umkämpfte Meisterschaft wird. Le Mont hatte schon letztes Jahr ein starkes Team, das den Aufstieg nur knapp verpasst hat. Für diese Saison haben sie sich noch zusätzlich verstärkt. Einen Punktelieferanten wie der FC Baulmes letztes Jahr dürfte es auch nicht mehr geben.

Ist es für Ihr Team ein Vor- oder ein Nachteil, dass die 1. Liga Classic mit nur 14 anstatt wie bisher 16 Mannschaften durchgeführt wird?

Es bedeutet, dass diese Saison vier Spiele weniger zu absolvieren sind, die Meisterschaft eine Woche früher endet und dass weniger Partien unter der Woche stattfinden. Ob das jetzt ein Vor- oder ein Nachteil ist, darüber mache ich mir keine Gedanken. Es ist, wie es ist. Das sind die Rahmenbedingungen und mit diesen müssen wir umgehen können.

Wie haben Sie Ihre erste Saisonvorbereitung als Cheftrainer beim SC Düdingen erlebt?

Unter dem Strich war es eine gute Vorbereitung. Seit wir anfangs Juli das Training aufgenommen haben, konnte ich allerdings nie aus dem Vollen schöpfen. Aber das Problem mit den Ferienabwesenheiten kennen die anderen Vereine auch. Dafür kamen die Jungen in den Vorbereitungsspielen zum Einsatz und konnten gefallen. Gegen Freiburg haben wir nur knapp mit 3:4 verloren, obwohl ich zur Pause quasi die ganze Mannschaft ausgewechselt habe. Gegen Köniz hielten die Jungen bis zur Schlussphase das 1:1, ehe sie noch zwei Tore hinnehmen mussten. Und gegen die Black Stars lieferten sie eine starke zweite Halbzeit ab. Man hat gesehen, dass das Team sehr ehrgeizig und kämpferisch ist.

Ehrgeizig und kämpferisch genug, um heute Abend (19.30 Uhr) zum Saisonauftakt bei Thun Berner Oberland II bestehen zu können?

Anfangs Saison weiss man nie so genau, wo man steht. Zudem sind die U21-Teams immer schwer einzuschätzen, da man nie genau weiss, ob sie mit Verstärkungen der 1. Mannschaft antreten oder nicht. Ich bin aber zuversichtlich, weil bei uns alle Spieler aus den Ferien zurück sind und ich dadurch mehr Möglichkeiten habe.