GV+Schlagzeilen 2016/17

GV

 

SCD-Generalversammlung 2017
 

Von einer schwierigen sportlichen Saison sprach Co-Präsident Beat Hirschi an der Generalversammlung des SC Düdingen. Und er übernahm dabei selber die Verantwortung für den Krebsgang der 1.-Liga-Mannschaft.

 

Am Freitagabend trafen sich im Birchhölzli-Stadion 48 Mitglieder des SC Düdingen zur jährlichen Generalversammlung. Während draussen die erste Mannschaft trainierte, sprach drinnen Co-Präsident Beat Hirschi von einer schwierigen sportlichen Saison seines Vereins. Die turbulenten Wochen am Ende der Saison 2016/17 mit Trainerbeurlaubungen und schlechten Resultaten und schlussendlich doch noch mit einem Happy­end im Kampf um den Ligaerhalt im letzten Spiel gegen Vevey: All dies habe im Verein einige Spuren hinterlassen, führte Hirschi in seinem Jahresbericht aus. Bis Ende März sei die Welt noch in Ordnung gewesen, dann sei die erste Mannschaft von einem Sog erfasst worden, der sich nach und nach zu einem Wildwasserstrudel entwickelt habe, aus dem es fast kein Entrinnen mehr gegeben habe. Hirschi bedankte sich bei Joël Durret und Cédric Liechti – das Duo hatte in den letzten drei Partien als Ersatz für den beurlaubten Trainer Martin Lengen den Ligaerhalt geschafft – «für die grosse Arbeit, Herz und ­Charakter».

«Nur die schönste Nebensache der Welt»

Neben dem kritischen und auch selbstkritischen Rückblick auf die vergangene Saison schaute Beat Hirschi richtigerweise schon wieder nach vorne. «Fussball sei ein Kampf um Leben und Tod, pflegte der schottische Fussballtrainer- und spieler Bill Shankly in den 60er- und 70er-Jahren zu sagen», führte der Co-Präsident des grössten Sensler Fussballclubs aus. «Lassen wir es nicht zu, dass es bei unserem SC Düdingen zu einem solchen Kampf kommt, sondern gehen wir die Sache doch wieder ein bisschen ruhiger und gelassener an und vergessen nicht, dass es nur um die schönste Nebensache der Welt geht.»

In der nächsten Saison wolle man im Fanionteam vermehrt auf junge Talente aus der Region setzen. Im Team wird es zum grossen Umbruch kommen: Mehr als ein halbes Dutzend auswärtige Stammspieler haben nach der verknorzten Saison den Verein mehr oder weniger freiwillig verlassen.

Trotzdem auch sportliche Erfolge

Neben dem enttäuschenden Abschneiden des Fanion­teams in der 1. Liga gab es beim SC Düdingen, der im Moment 550 Mitglieder und 23 Mannschaften umfasst, in der abgelaufenen Saison auch sportliche Erfolge zu feiern. Die zweite Mannschaft erreichte etwas überraschend die Aufstiegsspiele für die zweite Liga, konnte dann aber dort nicht mehr an die guten Leistungen von vorher anknüpfen.

Bei den drei Inter-Juniorenmannschaften, die alle den zweiten Rang in ihrer jeweiligen Gruppe holten, stach der erneute kantonale Cupsieg des A-Teams besonders hervor. Wie Juniorenobmann Ueli Minder in seinem detaillierten Bericht ausführte, erreichten auch die weiteren Junioren-Mannschaften ihre angepeilten Ziele. Die Faktoren Freude und Kameradschaft sollten bei ihnen aber auch künftig ein wichtiges Element sein, betonte Minder. Ein Höhepunkt im Nachwuchswesen sei zudem der vom SCD im Frühling bestens organisierte Juniorentag auf dem Birchhölzli mit rund hundert Mannschaften ­gewesen.

Wie schon oft hatte der Vorstand auch aus der Seniorenabteilung Erfreuliches zu berichten. Die Senioren 40+ gewannen den fast schon zur Tradition gewordenen Meistertitel und werden den SCD in den kommenden Wochen an der Schweizer Meisterschaft ­vertreten.

Nach wie vor gesunde Finanzen

Wie in allen Sportvereinen auf diesem Niveau hat auch der SC Düdingen alle Jahre wieder Mühe, seine Kosten möglichst mit Einnahmen auszugleichen. «Der Rubel rollt nicht mehr so locker wie vor ein paar Jahren», sagte Beat Hirschi, der beim Traktandum Finanzen die abwesende Clubkassierin Astrid Engel vertrat. «Einen Franken einnehmen ist Knochenarbeit, einen Franken ausgeben tut man schnell, zu schnell.» Bei Einnahmen von 671 041 Franken und Ausgaben von 670 560 Franken ergab sich für den SC Düdingen ein symbolischer Gewinn von 482 Franken. Dank guter Arbeit in den letzten Jahren beträgt der das Eigenkapital immer noch stolze 118 377 ­Franken.

Auch für die kommende Saison sieht das Budget eine mehr oder weniger schwarze Null vor. Nach wie vor wichtig für eine ausgeglichene Rechnung sei das traditionelle Grümpelturnier Ende Saison. Bei diesem wird es laut Co-Präsident Erwin Spicher jedoch «von Jahr zu Jahr schwieriger, die nötigen freiwilligen Helfer zu finden».

Eine weitere Mitteilung gab es noch betreffend Birchhölzli-Restaurant zu vermelden: Marius Bächler übernimmt den Restaurationsbetrieb, und sein Vorgänger Beat Hirschi konzentriert sich wieder auf die sportliche Seite des Vereins.

Vorstandstrio im letzten Jahr

Beim Traktandum Wahlen gab es doch einige Überraschungen. Die beiden Co-Präsidenten Beat Hirschi und Erwin Spicher stellten sich für ein weiteres Jahr als Vorstandsmitglieder zur Verfügung. Mit dem an der letzten GV zurückgetretenen Alexander Schmutz – hauptsächlich verantwortlich für Marketing/Sponsoring – konnte man ein ehemaliges Mitglied nochmals für ein Jahr ins Boot zurückholen. Die Vakanz des zurückgetretenen und gestern nicht anwesenden Sportchefs René Cavigelli konnte hingegen noch nicht gefüllt werden. Bis auf Weiteres übernimmt Beat Hirschi diese nicht einfache Funktion.

Die zwei Co-Präsidenten Hirschi und Spicher betonten aber, es sei nun «time for a change», sie würden ihren Posten nur für ein weiteres Jahr ausüben. Es gebe viele junge, motivierte Personen im Club und in dessen Umfeld. Es sei an ihnen, die Geschicke des SCD in den nächsten Jahren in die Hände zu nehmen.

Von der GV wurden Pat Kläy, Stefan Sojcic, René Cavigelli und Peter Minder zu Freimitgliedern ernannt.


Mutationen im 1.-Liga-Kader
Bis heute getätigte Zuzüge: Lionel Buntschu (Jahrgang 1997, zurück von Farvagny), Elie Dindamba (94, FC Bulle), Maxime Mason (92, FC Bulle), Ndiaw Ndiaye (94, FC La Sarraz), Nando Sommer (96, FC Plaffeien), Kevin Pinaro (94, FC La Sarraz), Fisnik Pajaziti (97, Inter A). – Weitere Inter-A-Spieler, die die Vorbereitung mit mitmachen: Yves Boschung, Cédric Portmann und Jannik Rytz. – Dazu neu im Staff: Adrian Schneuwly (Goalietrainer), Judith Buchs und Marina Brülhart ( Masseusen).

Abgänge: Ermin Gigic (zum FC Muri-Gümligen), Adan Rebronja (zum FC Freiburg), Dino Rebronja (?), Manuel Schwarz (FC Plaffeien), Fabian Stoller (?), Ovi Mendizov (?), Jose Muala (?), Tolga Mertoglu (?).

 

HEADLINES

 

Hier werden nur einige Schlagzeilen herausgepickt - Weitere News zu dieser Saison finden Sie in den Rubriken: News 1999 - 2019 und der Gùmpa

 


 

«Ich gehe gestärkt aus der Sache hervor»

Martin Lengen kehrt als Trainer zum SC Düdingen zurück. Nachdem der 42-Jährige beim 1.-Ligisten für die letzten drei Meisterschaftsspiele beurlaubt worden war, schien eine weitere Zusammenarbeit ungewiss.

«Martin Lengen ist beurlaubt, nicht entlassen», betonte Düdingens Sportchef René Cavigelli, als der 1.-Liga-Verein drei Runden vor Meisterschaftsende seinen Trainer wechselte. Die fünfte Niederlagen in Serie war die eine zu viel gewesen; der SCD ersetzte Lengen durch Joël Durret und Cédric Liechti. Die beiden sollten das Team zum Ligaerhalt führen – was ihnen letzten Samstag mit einem 5:1-Sieg in Vevey in extremis gelungen ist.

«Beurlaubt, nicht entlassen»

«Beurlaubt, nicht entlassen», das hatte wenige Wochen zuvor auch Sions Präsident Christian Constantin gesagt, als er seinen Coach Peter Zeidler durch Sébastien Fournier ersetze. Dass es aufs Gleiche hinauslaufen würde, war allen klar: Die Tage von Zeidler als Coach des Super-League-Teams waren vorbei. Gestern gaben die beiden Parteien ihre endgültige Trennung bekannt.

Wenig verwunderlich, mochte niemand so richtig den Aussagen der SCD-Verantwortlichen Glauben schenken, als sie betonten, sie wollten nächste Saison wieder mit Martin Lengen an der Seitenlinie weiterfahren. «Das mag vielleicht etwas komisch getönt haben, es war aber immer Ernst gemeint», sagte SCD-Präsident Beat Hirschi gestern, nachdem bekannt wurde, dass der Düdinger Verein und Martin Lengen ihre Zusammenarbeit fortsetzen. Im vergangenen Winter hatte Lengen seinen Vertrag beim SCD um zwei weitere Saisons bis Sommer 2019 verlängert.

«Der Trainerwechsel war die einzige Möglichkeit, um im Abstiegskampf neue Impulse zu setzen. Wir konnten ja nicht die halbe Mannschaft auswechseln», begründete Hirschi die ungewöhnliche Aktion. «Das war in keiner Art und Weise gegen Tinu gerichtet. Er hat in den letzten fünf Jahren einen super Job gemacht, und er verdient unser Vertrauen auch weiterhin. Wir sind froh, dass er bei uns bleibt.»

Das Positive überwiegt

Überraschend ist die Rückkehr von Lengen aufs Birchhölzli dennoch. Der 42-Jährige hatte nach seiner Beurlaubung keinen Hehl daraus gemacht, dass er vom Vorstand enttäuscht war. «Erstmals in meinen fünf Jahren als Trainer des SC Düdingen hatten wir fünfmal hintereinander verloren. Dass ich deswegen gleich beurlaubt worden bin, hat mich sehr verletzt», gestand Lengen gestern. «Trotzdem habe ich bei jedem Spiel mitgefiebert, den Spielern per SMS Glück gewünscht, auch wenn ich nicht mehr im Team war. Ich habe immer gesagt, dass Düdingen mein Herzensclub ist. Ich hatte fünf tolle Jahre hier, diese drei Wochen sollten nicht alles in ein schlechtes Licht bringen. Zudem habe ich einen Vertrag für zwei weitere Saisons. Warum sollte ich diesen nicht erfüllen? Nach einiger Zeit der Reflexion habe ich meinen gekränkten Stolz verarbeitet und mich für den SCD entschieden.»

Angst davor, dass die Beurlaubung seinem Ansehen geschadet und die Mannschaft den Respekt vor ihm, dem Trainer, verloren haben könnte, hat Martin Lengen nicht. «Dass ich zurückkehre, zeigt doch, wie ich mich mit Düdingen identifiziere, dass ich mit Herzblut dabei bin. Das ist es, was zählt. Das Team der nächsten Saison wird im Vergleich zur Mannschaft von dieser Saison eh ein ganz anderes Gesicht haben.»

Jung und kompetitiv

Nach der verkorksten Saison 2016/17 hat der SC Düdingen angekündigt, dass er einschneidende Veränderungen vornehmen will. «Wir haben eine klare Idee von der Mannschaft, mit der wir nächste Saison antreten wollen», sagte Sportchef Cavigelli. Das Ziel sei es, ein attraktives, junges und kompetitives Team zu bilden – was durchaus im Sinne von Martin Lengen ist. «Ich freue mich auf hungrige und willige Spieler, die bereit sind, alles für den SCD zu geben und sich zu hundert Prozent mit dem Verein zu identifizieren», schaut der alte und neue Trainer optimistisch in die Zukunft. «Ich für meinen Teil gehe gestärkt aus dieser Beurlaubung hervor und bin voller Tatendrang für die kommende Saison.»

Der SC Düdingen will sich neu definieren

Trotz des geschafften Ligaerhalts hat der SC Düdingen eine verkorkste Fussball-Saison hinter sich. Ähnliches soll sich möglichst nicht mehr wiederholen, deshalb plant der Verein einschneidende Veränderungen.

Mit dem 5:1-Sieg gegen Vevey hat sich der SC Düdingen am Samstag den Klassenerhalt gesichert und die 1.-Liga-Meisterschaft in extremis zu einem glücklichen Ende gebracht. Das Happy End kann allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass beim SCD in dieser Saison einiges im Argen lag: ausbleibende Erfolge, eine eklatante Torflaute, ein vorzeitiger Trainerwechsel, unmotivierte Spieler, Missstimmungen im Team – dem Verein blieb in diesem Jahr kaum etwas erspart.

Dass der SCD wenige Tage vor dem entscheidenden Spiel in Vevey Ermin Gigic fristlos entliess, passte irgendwie zur verkorksten Saison. Warum es zum Bruch mit Gigic kam – der 32-Jährige war im Oktober als grosser Hoffnungsträger engagiert worden und trug in der Rückrunde einige Runden lang die Captainbinde –, wollte der Verein nicht kommentieren. Sportchef René Cavigelli liess allerdings durchblicken, dass «etwas Krasses» vorgefallen ist. «Momentan sind wir dabei, eine saubere Analyse der Saison zu machen», sagt Cavigelli. «Wir werden alle Probleme ansprechen und die nötigen Konsequenzen aus den Vorfällen ziehen.» Noch sei bezüglich Kaderplanung einiges offen. «Es ist aber schon jetzt klar, dass es Veränderungen geben wird – einschneidende Veränderungen.»

Viele offene Fragen

Weil bis zuletzt nicht klar war, in welcher Liga Düdingen in der kommenden Saison auflaufen wird, lagen die Vertragsverhandlungen mit den Spielern lange auf Eis. «In den kommenden zehn Tagen wird sich diesbezüglich viel entscheiden», sagt Sportchef Cavigelli. «Wir haben eine klare Idee von der Mannschaft, mit der wir nächste Saison antreten wollen. Unser Ziel ist es, ein attraktives, junges und kompetitives Team zu bilden. Und wir sind auf bestem Weg dazu.»

Bei der Kaderzusammenstellung für die abgelaufene Saison hatte der Verein kein glückliches Händchen offenbart. Den persönlichen Leistungsausweis der Spieler hatte man zuweilen höher eingestuft als ihre charakterlichen Stärken. So besass der SCD auf dem Papier zwar ein gute Mannschaft mit starken Einzelspielern, aber eben kein funktionierendes Team, bei dem sich jeder für den anderen einsetzte. René Cavigelli nimmt seinen Verein denn auch nicht aus der Verantwortung, wenn es darum geht, die Gründe für die Missstände zu erörtern. «Wir haben uns einige Male zu Sachen verleiten lassen, die im Nachhinein nicht optimal waren.» Daraus ziehe man nun die Lehren, und man sei dabei, den Verein quasi neu zu definieren. «Wie hoch soll das Durchschnittsalter des Teams sein? Wie viele auswärtige Spieler wollen wir künftig engagieren? Wie hoch ist das maximale Salär, das wir bezahlen? Über solche und ganz viele andere Fragen legen wir uns zurzeit Rechenschaft ab. Künftig werden wir nichts mehr machen, was über den Rahmen hinausgeht, den wir uns setzen.»

Wer wird Trainer beim SCD?

Wie grosszügig der SCD seine «Kontingente» definiert, werden die nächsten Tage zeigen. Wie konsequent er sie anwendet, die kommenden Jahre. Noch ist nicht bekannt, welcher Trainer die neuen Richtlinien des Birchhölzli-Vereins umsetzen soll. Martin Lengen, der für die letzten drei Meisterschaftsspiele beurlaubt und durch Interimstrainer Joël Durret ersetzt worden ist, hat in Düdingen noch einen Vertrag für die nächsten zwei Saisons. «Wir möchten mit Martin weitermachen», hat SCD-Co-Präsident Beat Hirschi schon einige Male betont. Ob das Lengen auch will, entscheidet sich in den nächsten Tagen, wenn sich die beiden Parteien gemeinsam an einen Tisch sitzen und diskutieren wollen.

Oder bleibt Durret, der das Team zum Ligaerhalt geführt hat, weiterhin Trainer? «Mein Engagement war klar für die letzten drei Spiele definiert», winkt der 28-Jährige ab. «Ich habe noch einen Vertrag für zwei Jahre bei den Inter-A-Junioren, und ich gehe davon aus, dass ich diesen erfüllen werde.»

Der SC Düdingen schafft den Ligaerhalt

Düdingen spielt auch nächste Saison in der 1. Liga. Die Sensler gewannen am Samstag in Vevey klar mit 5:1 und überholten damit in der Tabelle La Sarraz, das gleichzeitig in Martigny verlor. Die Erleichterung beim SCD ist gross.

Vor diesem letzten Spieltag war Spannung pur angesagt: Noch drei Teams kämpften gegen den Abstieg, zahlreiche Varianten und Konstellationen waren noch möglich. Für die Spieler des SC Düdingen war die Ausgangslage klar. Sie mussten selber gewinnen und auf einen Ausrutscher von La Sarraz in Martigny hoffen. Und genau dieses Szenario ist am Samstag eingetroffen – selber landeten die Sensler einen klaren Erfolg und holten damit die drei wichtigen Punkte, während im anderen Spiel Martigny La Sarraz keine Geschenke machte und ebenso hoch gewann. Während La Sarraz und Freiburg in die 2. Liga interregional abstiegen, konnte Düdingen so den Kopf im letzten Moment noch aus der Schlinge ziehen. Der SCD wird übrigens auch nächste Saison nicht der einzige Freiburger Vertreter in der 1. Liga sein, da entweder Portalban oder Bulle aufsteigen wird.

Im Abschlusskrimi am Samstag in Vevey lief von Beginn weg alles für die Düdinger. Nach nur gerade acht Minuten produzierte ausgerechnet der Freiburger im Vevey-Team – Torwart Cedric Zimmermann – eine Notbremse gegen Arevalo, Schiedsrichterin Esther Staubli zückte die Rote Karte. Das schien beim ersten Augenschein etwas gar streng, doch war die Sanktion regelkonform. Somit konnten die Gäste fast die ganze Partie in Überzahl bestreiten, ein klarer Vorteil gegenüber dem Heimteam, erst recht bei den sommerlichen Temperaturen, die während des Spiels herrschten. Düdingen nutzte die numerische Überlegenheit geschickt aus, zehn Minuten später gingen die Gäste bereits in Führung – Tolga Mertoglu traf aus zwanzig Metern unter die Latte.

Vevey versuchte zu reagieren und kam prompt zu einer Ausgleichschance, Pobluszny traf nach einem Eckball per Kopf die Latte (25.). Düdingen spielte aber weiter druckvoll nach vorne und kam noch vor der Pause zum vorentscheidenden zweiten Treffer: Adan Rebronja traf mit einem Flachschuss in die Torecke. Als kurz nach der Pause Mertoglu den dritten Treffer erzielte, war die Partie gelaufen, Vevey gab sich faktisch geschlagen und spielte in der Folge ohne jegliche Motivation. So markierte der SCD noch zwei weitere Treffer und Vevey das Ehrentor, am klaren Sieg der Gäste änderte dies nichts mehr.

Riesige Freude beim SCD

Gleich nach dem Schlusspfiff brachen beim SC Düdingen alle Dämme, man lag sich in den Armen, bekundete lauthals die Freude über den geschafften Ligaerhalt. Alle Spieler, der ganze Staff und auch die vielen mitgereisten Anhänger der Düdinger feierten mit. Die Freude war legitim, denn manche hatten den SCD nach den letzten Partien bereits abgeschrieben, umso grösser deshalb der Jubel des Sensler Klubs.

Interimstrainer Joël Durret wurde von allen Seiten beglückwünscht, er und sein Assistent Cédric Liechti hatten das Team in einer ganz schwierigen Phase übernommen. Durret dazu: «Die Erleichterung ist riesengross; seit wir das Team übernommen hatten, standen wir unter Druck. Nach den Rückschlägen gegen Carouge und Yverdon musste das Team mental wieder aufgerichtet werden, das ist uns gelungen. Wir sind sehr stolz, denn selbst im Umfeld glaubten nicht mehr alle an die Rettung. Wir hatten sehr gut trainiert, haben viel mit den Spielern gesprochen und mussten taktisch einiges anpassen – das hat sich nun gelohnt.»

Zweifach-Torschütze ­Tolga Mertoglu strahlte über das ganze Gesicht: «Wir sind wirklich sehr erfreut und erleichtert nach diesem verdienten Sieg und dem Ligaerhalt. Es ist mit dem Platzverweis und auch sonst manches für uns gelaufen. Meine zwei Tore waren für das Team wichtig, Vevey hat aufgemacht und es uns damit einfacher gemacht, jetzt wollen wir den Moment einfach geniessen.»

König Stoller beim SC Düdingen

In Israel wie ein König vergöttert, in Griechenland gestürzt und aus Zypern geflohen – Fabian Stoller hat in seiner Karriere als Profifussballer vieles erlebt. Seine Routine soll dem SC Düdingen zum Ligaerhalt verhelfen.

Der graue VW Golf, kleineres Modell, älteres Baujahr, mit dem Fabian Stoller zum Interview vorfährt, will irgendwie nicht so recht ins Bild des Fussballprofis passen. In der Glitzerwelt des Fussballs thront Xherdan Shaqiri im dicken Audi, trägt Granit Xhaka funkelnde Brillanten am Ohrläppchen und wohnt Valon Behrami in einer Luxusvilla mit herrlichem Blick auf den Lago Maggiore. Auch Fabian Stoller war lange Profi, bevor er sich bei SC Düdingen niederliess. Er spielte in Griechenland und auf Zypern, in Israel wurde er als Held verehrt. Die ersten Adressen im Weltfussball blieben ihm allerdings verwehrt, obwohl er als grosses Talent galt und in der Schweizer Junioren-Nationalmannschaft mit Spielern wie Ivan Rakitic, Yann Sommer, Daniel Pavlovic oder Shkëlzen Gashi gespielt hat. «Ich habe mir manchmal die Frage gestellt, warum meine Karriere anders verlaufen ist.» Qualität alleine genüge aber eben nicht, um den Durchbruch zu schaffen, blickt der 29-Jährige zurück. «Du brauchst Glück, musst im richtigen Moment am richtigen Ort sein und die richtigen Entscheidungen treffen.»

Was wäre, wenn?

Doch wer weiss schon, was die richtige Entscheidung ist? «Vielleicht wäre alles anders abgelaufen, wenn ich als 15-Jähriger zum FC Basel gewechselt hätte. Meine Eltern wollten damals aber, dass ich erst die Schule in Thun beende.» Zu diesem Zeitpunkt hatte Stoller einen Nachwuchsvertrag beim FC Thun und trainierte unter Hanspeter Latour bereits mit der NLA-Mannschaft mit. Zwei Jahre später debütierte er als 17-Jähriger in der Super League. Dennoch sah Stoller in Thun keine Perspektive für seine persönliche Weiterentwicklung mehr und verliess im Sommer 2008 das beschauliche Berner Oberland. Er wechselte zum FC Locarno in die Challenge League, wo er schnell zum Führungsspieler reifte. Nach zwei Jahren kehrte Stoller nach Thun zurück, wurde bei seinem alten Verein aber erneut nicht glücklich. Ende 2010 entschied sich der damals 22-Jährige schliesslich für ein Abenteuer im Ausland.

Der Held von Petah Tikva

Bald schon erhielt Stoller von seinem Agenten einen Anruf, ein paar Tage später sass er im Flugzeug nach Tel Aviv. «Die ersten Wochen waren sehr hart, so ganz alleine im Ausland und fernab von Familie und Freunden», erinnert sich der Berner. «Da sind einige Tränen geflossen.» Beim Arbeiterclub Hapoel Petah Tikva, in der obersten Liga Israels, erlebte der Berner «die schönste Zeit in seinem Leben», wie er selber sagt. «Ich habe immer pünktlich den Lohn bekommen, besass ein schönes Auto, eine tolle Wohnung, das Wetter war immer perfekt, das Essen lecker und die Fans heissblütig. Wenn ich zum Essen in ein Restaurant gegangen sind, habe ich immer alles gratis erhalten. In Kleiderboutiquen, in Uhrenladen, überall gab es für uns Spieler grosse Rabatte.»

Zu seinem Debüt mit Hapoel Petah Tikva kam Stoller ausgerechnet im Cup gegen den Grossclub Maccabi Tel Aviv. «Wir haben sensationell mit 3:1 gewonnen. Von da an wurde ich vergöttert. Noch heute schreiben Fans ‹King Stoller, come back› auf meine Facebook-Seite», lacht der «König».

Auf dem schönen Leben als Fussballprofi in Israel lastete jedoch immer der Nahostkonflikt. Mehrere Male musste Stoller wegen eines Bombenalarms in den Schutzraum flüchten. «Das erste Mal bin ich fast wahnsinnig geworden vor Angst», erinnert er sich. «Es war jedes Mal ein sehr beklemmendes Gefühl.»


«Mein grösster Fehler»

Stollers Auftritte mit Hapoel Petah Tikva blieben nicht unbemerkt. Im Sommer 2011 erhielt er zahlreiche Angebote von der Konkurrenz, darunter auch eines von Hapoel Beer Sheva. «Ich hatte damals auf einen der ganz grossen Clubs des Landes gewartet und deshalb das Angebot von Beer Sheva abgelehnt», bereut der Mittelfeldspieler heute. «Rückblickend war das die schlechteste Entscheidung in meiner Karriere.» Denn vom unscheinbaren Club aus dem Süden des Landes hat sich Beer Sheva in den letzten Jahren zu einem der stärksten Vereine Israels entwickelt. Diese Saison sorgte die Mannschaft im Uefa-Cup mit dem Sieg gegen Inter Mailand für Aufsehen – allerdings ohne Stoller.

Die erhoffte Offerte eines Grossclubs traf nicht ein, der Berner blieb ein weiteres Jahr bei Petah Tikva. Wegen Managementfehlern wurde der Verein mit einem Punktabzug von neun Zählern bestraft, der Abstieg war nicht abwendbar. Stoller wollte nicht in der 2. Liga spielen und wechselte zum Ligakonkurrenten Hapoel Haifa – trotz anderen lukrativeren Angeboten. «Der Trainer wollte mich unbedingt haben, sagte, ich sei sein Andrea Pirlo, der im Mittelfeld die Bälle verteilen solle. Für die Karriere hätte ich anders entscheiden sollen, aber ich hatte mich auf mein Gefühl verlassen.»

Dass es manchmal besser ist, auf den Kopf anstatt den Bauch zu hören, musste Fabian Stoller in den folgenden sechs Monaten erfahren. Obwohl von Hapoel Haifa stark umworben, kam er kaum zum Einsatz, der Club setzte lieber auf Eigengewächse. Mittlerweile 25-jährig, nahm der Profi das Angebot des griechischen Klubs Platanias Chania an. Schweren Herzens verliess er Israel – das Land, von dem er trotz der regelmässig aufheulenden Sirenen auch heute noch schwärmt.

Überleben im Mittelmeer

Von der griechischen Super League erhoffte sich der Schweizer einen neuen Karriereschub. Ein halbes Jahr lief alles perfekt, bis er nach einem Trainerwechsel auf die neue Saison hin erneut aufs Abstellgleis geriet. «Der neue Coach sagte mir, dass ich konditionelle Defizite habe, obwohl meine Testergebnisse stets zu den besten gehörten. Ich musste fortan immer alleine trainieren und sah keinen anderen Ausweg als einen Wechsel.»

Im Winter 2013/14 kehrte Stoller in die Schweiz zurück, um sich fit zu halten und auf Angebote zu warten. Als Ethnikos Achnas anklopfte, packte er seine Sachen und flog nach Zypern. Dort überzeugte der Abenteurer mit guten Leistungen auf dem Feld, daneben lag allerdings einiges im Argen. «Oft erhielt ich den Lohn zu spät und musste monatelang auf die Prämien warten. Jeder Tag war ein Kampf ums Überleben.»

Verletzung, Konkurs, Cabral

Stoller zögerte deshalb nicht lange, als im Sommer 2015 ein Angebot des FC Aarau bei ihm eintraf. Doch auch beim Challenge-League-Verein geriet er in eine Sackgasse – nicht zum ersten Mal in seiner Karriere. Wegen eines Sehnenanrisses in der Ferse fiel er zwei Monate aus. Er wurde nach nur einem Spiel nach Biel ausgeliehen.

«In Biel hatte ich mit Patrick Rahmen einen super Trainer und kämpfte mich wieder zurück. Als es endlich richtig losgehen konnte, ging der Verein Konkurs, und ich stand wieder auf der Strasse.»

Beim FC Le Mont in der Challenge League wollte der 29-Jährige einen neuen Anlauf nehmen, seinen x-ten. Doch nach nur einem (verlorenen) Match landete er wieder auf der Bank. «Als der Club dann noch Cabral holte, wusste ich, dass meine Zeit in Le Mont vorbei war. Ich hatte keine Lust, nochmals kämpfen zu müssen.»

Düdingen anstatt Israel

Fussballerisch hegt Fabian Stoller heute keine grossen Ambitionen mehr. Im vergangenen Januar lehnte er gar ein Angebot aus Israel ab – etwas, dass er vor zwei Jahren nie und nimmer getan hätte. «Ich lebe mit meiner Frau in Tafers und bin glücklich darüber, nicht mehr eine Fernbeziehung führen zu müssen», sagt er. «Ich habe im Ausland wunderschöne Dinge erlebt und viel gelernt über Menschen und Kulturen. Aber alles hat seine Zeit.»

Stattdessen hat Stoller im Februar ein Angebot des SC Düdingen angenommen. Hier sei er glücklich und hier wolle er alles daran setzen, mit dem Team den Ligaerhalt zu schaffen. «Fussballerisch ist es vielleicht nicht genau das, was ich mir erträumt habe. Aber ich glaube, dass das Leben vorbestimmt ist. Einige Türen schliessen sich, andere öffnen sich.»

Der SCD «beurlaubt» Trainer Lengen

Nach dem 0:2 in Naters – der fünften Niederlage in Serie – hat der SC Düdingen seinen Trainer Martin Lengen «beurlaubt». Die Juniorentrainer Joël Durret und Cédric Liechti coachen für die restlichen drei Spiele das Team.

Mit der Bürde von vier Niederlagen in Folge musste der SC Düdingen am Samstag den schweren Gang zum 1.-Liga-Konkurrenten Naters antreten. Vier Niederlagen en suite, das hat es beim SCD noch nie gegeben, seit Martin Lengen vor fünf Jahren das Traineramt übernommen hat. «Das ist eine neue Situation für uns alle», hatte sich Lengen vor dem kapitalen Spiel im Wallis in einem Interview in den FN geäussert. «Wir alle, Trainer, Spieler und Vorstand, müssen diese Situation gemeinsam meistern.»

Wie sich der Verein die gemeinsame Krisenbewältigung vorstellt, hat er gestern auf seiner Homepage bekannt gegeben. «Der SC Düdingen hat nach der 0:2-Niederlage in Naters entschieden, den Trainer Martin Lengen per sofort für die nächsten drei Spiele zu beurlauben.» Ersetzt wird der 42-Jährige bis Saisonende durch Joël Durret, Trainer der Düdinger Coca-Cola-League-A-Mannschaft, und Cédric Liechti, Trainer des Coca-Cola-League-C-Teams.

«Neue Impulse setzen»

«Nach dem blutleeren Auftritt in Naters mussten wir reagieren», erklärt René Cavigelli, Sportchef des SC Düdingen. Durch die fünfte Niederlage in Folge ist der Vorsprung der elftplatzierten Sensler auf den Strich auf einen Zähler geschrumpft, das Team steckt in akuter Abstiegsgefahr. «Mit dem Trainerwechsel versuchen wir als Verein, neue Impulse zu setzen. Joël und Cédric sind zwei junge Trainer, die ihre Aufgabe, den Ligaerhalt, ganz unbelastet angehen können.»

Cavigelli betont, dass Martin Lengen «beurlaubt» und nicht «entlassen» ist. «Tinu hat in den letzten fünf Jahren einen super Job gemacht, auch in dieser Saison. Ihm können wir nichts vorwerfen, im Gegensatz zu einigen Spielern, die ihrer Leaderrolle nicht gerecht werden und ihre Leistungen nicht bringen. Wir können aber nicht die halbe Mannschaft auswechseln.» Der Trainer sei nun mal das schwächste Glied in der Kette, weshalb man ihn beurlaubt habe. «Uns ging es auch darum, Lengen aus der Schusslinie zu nehmen», sagt der SCD-Sportchef.

Ob es auch im Interesse des Trainers war, aus der Schusslinie genommen zu werden, dazu wollte sich Martin Lengen selbst nicht äussern. «Mein Wunsch ist es, dass der SC Düdingen Ende Saison, wie auch jetzt noch, über dem Strich liegt», liess er die FN wissen. «Ansonsten möchte ich lieber nichts dazu sagen.»

«In Ruhe analysieren»

Martin Lengen besitzt beim SC Düdingen noch einen Vertrag bis Sommer 2019, erst im vergangenen Winter wurde dieser um zwei weitere Saisons verlängert. «Es ist nicht ausgeschlossen, dass unsere Zusammenarbeit weitergeht», sagt SCD-Sportchef René Cavigelli. «Ende Mai werden wir die ganze Angelegenheit in Ruhe analysieren und entscheiden, wie es weitergeht.»

Ob Lengen tatsächlich nächs­te Saison aufs Birchhölzli zurückkehrt, ist allerdings fraglich. Mit der Beurlaubung hat der Verein seinem Trainer nicht nur das mangelnde Vertrauen kundgetan, er hat den 42-Jährigen in der Mannschaft förmlich diskreditiert – auch wenn man das beim SCD etwas anders sieht. «Wir sind im Amateur- und nicht im Profifussball», sagt Cavigelli. «Es ist sicherlich eine unkonventionelle Aktion, aber das kann durchaus gut funktionieren. Schliesslich wird es im nächsten Jahr einige Änderungen im Team geben.»

Ob Lengen das auch so sieht und ob er auch künftig Interesse hat, das SCD-Fanionteam zu trainieren, wird die Zukunft zeigen. Klar ist, dass ein freiwilliger Verzicht von Lengen dem SCD nicht ungelegen kommen würde: Beendet der Cordaster seine Zusammenarbeit nämlich von sich aus, spart der Verein viel Geld.

«Ein völliger Newcomer»

Vorerst gilt Düdingens Aufmerksamkeit aber dem Unternehmen «Ligaerhalt». Dieses sollen Joël Durret als neuer Haupttrainer und Cédric Liechti als Hilfscoach realisieren. In den letzten drei Jahren war der 28-jährige Durret Trainer bei Düdingens A-Junioren und hat diese in der Coca-Cola-Junior-League von Erfolg zu Erfolg geführt. Aktuell belegt die Sensler Nachwuchsmannschaft in ihrer Gruppe den ersten Tabellenrang. Erfahrung mit dem Leiten von Aktiven-Mannschaften hat der neue Trainer allerdings nicht. «Ich bin ein völliger Newcomer», schmunzelt Durret. «Es ist alles ganz schnell gegangen», sagt er. «Am Sonntag stand ich noch beim Spiel der A-Junioren an der Seitenlinie, kurz nach Spielschluss hat mich der Vorstand gefragt, ob ich die erste Mannschaft übernehmen will.» Er habe nicht lange überlegen müssen. «Ich bin gerne bereit, dem Verein in seiner schwierigen Situation zu helfen, wenn er das wünscht.»

Viel Zeit bleibt Joël Durret nicht, grosse Umwälzungen kann er bei seinem Team nicht vornehmen. «Viel ändern muss ich eh nicht. Martin Lengen hat sehr gute Arbeit gemacht, das Team hatte einfach das Pech, in eine schlechte Phase gerutscht zu sein. Meine Hauptaufgabe wird es sein, wieder für eine positive Stimmung zu sorgen und bei den Spielern wieder die Freude am Fussball zu wecken.»

Erreichen will dies Durret durch Einzelgespräche mit den Spielern. «Es beginnt wieder alles bei null, was vorher war, zählt nicht mehr. Jeder erhält die Chance, zu beweisen, dass er sich auf dem Platz für das Team zerreissen will.»

«Es haben nicht alle Spieler den Ernst unserer Lage begriffen»

Soll seine Tabellensituation nicht noch ungemütlicher werden, muss der SC Düdingen heute in Naters punkten. Nach den zuletzt gezeigten Leistungen sind Zweifel erlaubt.

Martin Lengen, wie gut haben Sie letzten Samstag nach der 0:1-Niederlage gegen Schlusslicht La Sarraz-Eclépens geschlafen?

Ich schlafe nie gut, wenn wir verloren haben; ich will immer gewinnen. Meine Gedanken kreisten am Samstag bis tief in die Nacht hinein um das Spiel. Es wäre nicht gut, wenn mich eine solche Niederlage kalt lassen würde.

Was hat Sie am meisten beschäftigt?

Es war ein sehr wichtiges Spiel; mit einem Sieg hätten wir die restlichen Partien in Ruhe angehen können, jetzt stecken wir voll im Abstiegskampf. Ich war enttäuscht und verärgert. Enttäuscht, weil wir das Spiel nicht so gestalten konnten, wie wir uns das vorgenommen hatten, trotz einer sehr guten Trainingswoche. Natürlich war die Niederlage mit dem Penalty in der Nachspielzeit etwas unglücklich, wir hätten das Spiel aber schon vorher für uns entscheiden müssen. Und ich war verärgert, weil offensichtlich nicht alle den Ernst unserer Lage ganz begriffen haben.

An wen denken Sie konkret?

An verschiedene Spieler. Ich mache keine Einzelkritik in der Öffentlichkeit, intern haben wir das mit den Betroffenen aber selbstverständlich diskutiert.

Am Montag im Training dürfte Ihr Team ein ziemliches Donnerwetter zu hören bekommen haben …

Nach so einer Niederlage gehst du als Spieler immer mit einer gewissen Anspannung ins Training, weil du vom Trainer eine Standpauke erwartest. Wenn die dann ausbleibt, bist du positiv überrascht. Ich habe bewusst auf eine Strafpredigt verzichtet, weil ich nicht noch mehr negative Energie ins Team bringen wollte. Für den Trainer ist es immer eine Gratwanderung: Nichts ist im Sport gefährlicher als Gleichgültigkeit, es bringt aber auch nichts, die Spieler nach jeder schlechten Leistung zusammenzustauchen. Das ist schlecht fürs Selbstvertrauen. Ich habe bei den Spielern am Montag an ihre Eigenverantwortung und Selbstkritik appelliert.

Ansatzpunkte für die Selbstkritik gibt es einige, zum Beispiel das ständige Reklamieren auf dem Platz.

Das Reklamieren ist in den meisten Fällen das Ergebnis einer eigenen Unzufriedenheit. Die Spieler merken, dass es ihnen nicht so läuft, sie sind frustriert über die eigene Leistung und machen ihrem Ärger durch lautstarkes Reklamieren Luft. Nützen tut es nichts, im Gegenteil, man verliert nur den Fokus aufs Spiel. Das müssen wir sofort abstellen.

Punkto Einsatz zeigte sich Ihr Team zuletzt auch nicht unbedingt von seiner besten Seite.

Das ist so. Wenn das Team fussballerisch nicht glänzt, ist das das eine, das kann vorkommen. Wenn die Spieler aber den Einsatz vermissen lassen, so wie gegen La Sarraz, dann ist das etwas anderes. Das kann ich nicht akzeptieren. Kampf und Leidenschaft siegen immer über Talent, dafür muss man allerdings bereits sein, Rasen zu fressen, wie man so schön sagt. In unserem Fall eben Kunstrasen. Das haben wir zu wenig getan.

Die Konsequenz war die vierte Niederlage in Folge – ein Novum beim SCD.

Ich bin seit fünf Jahren Trainer des SC Düdingen. Noch nie haben wir in dieser Zeit viermal hintereinander verloren so wie jetzt. Das ist eine neue Situation für uns alle, Trainer, Spieler und Vorstand. Da möglichst schnell hinauszufinden, ist die Herausforderung, die wir meistern müssen.

Wie schaffen Sie das?

Wir haben uns als Team da reingeritten, als Team müssen wir wieder hinausfinden. Wichtig ist, dass wir wieder als verschworene Einheit auftreten. Wenn es gut läuft, ist das einfach. Wenn es nicht so gut läuft, zeigt sich der wirkliche Charakter der Spieler. Bei dem einen oder anderen habe ich schon meine Zweifel, ob sie sich richtig mit dem Verein identifizieren und sich voll für das Team einsetzen. Mir sind allerdings diesbezüglich die Hände gebunden.

Inwiefern?

Es soll keine Ausrede sein, aber unser Verletzungspech der vergangenen Wochen spielt schon eine Rolle. Wenn man x-mal seine Formation umstellen muss, weil Spieler verletzt ausfallen, ist es schwierig, Konstanz ins Team zu bringen. Unser Kader ist zu klein, um alle Ausfälle zu kompensieren. Das hat zur Folge, dass der interne Konkurrenzkampf nicht funktioniert. Einige wissen ganz genau, dass ich als Trainer sie aufstellen muss, selbst wenn sie nicht so gut spielen, da ich keine valable Alternative habe. Wir wussten, dass es unter diesen Voraussetzungen kein einfaches Jahr wird, gleichwohl habe ich als Kollektiv mehr erwartet. Allerdings war auch nicht alles schlecht bisher, ich sehe durchaus einige sehr positive Aspekte.

Zum Beispiel?

In dieser Saison sind insgesamt schon elf Spieler zum Einsatz gekommen, die noch im Junioren-A-Alter sind. Das ist eine stolze Zahl. Sie alle konnten 1.-Liga-Erfahrung sammeln, was vor allem in Hinblick auf die Zukunft der Mannschaft wichtig ist.

Vorerst geht es heute (16 Uhr) auswärts beim FC Oberwallis Naters darum, zu punkten. Wie schätzen Sie die Ausgangslage ein?

Naters braucht unbedingt einen Sieg; uns würde ein Unentschieden im Kampf um den Ligaerhalt auch schon viel helfen. Wir müssen als Mannschaft kompakt spielen und dem Gegner das Leben schwer machen. Je länger das Spiel dauert, desto mehr muss Naters riskieren: Es werden sich Löcher auftun, und wir werden zu Konterchancen kommen. Diese gilt es, zu nützen.

Das mit dem Tore schiessen ist allerdings so eine Sache: In 22 Partien hat Düdingen erst 24 Tore erzielt – weniger als alle anderen Teams. Wie wollen Sie das ändern?

Unsere Torausbeute ist viel zu gering, wenn man bedenkt, dass wir praktisch immer mit drei Stürmern antreten. In der Offensive sind aber nicht nur die Stürmer gefordert, das fängt schon hinten an, wo der Ball bei der Angriffsauslösung sauber und präzise nach vorne gespielt werden muss.

Ich brauche elf Kämpfer, die marschieren und sich für das Team zerreissen, keine Schönwetterfussballer. Jeder muss mehr rennen, auch wenn es wehtut, und mit seinen Laufwegen Löcher aufreissen für die Mitspieler. Ein schlechter Laufweg ist immer noch besser als gar kein Laufweg.

Die Innenverteidigung wirkte zuletzt auch nicht mehr so souverän wie Anfang Saison. Mit 47 Gegentoren weist der SCD den zweitschlechtesten Wert aus. Woran liegt das?

In der Defensive hatten wir mit den grössten Verletzungssorgen zu kämpfen, phasenweise mussten wir die komplette Viererkette auswechseln. Unseren Innenverteidigern Flavio Cassara und Elvis Corovic fehlt nach ihrer langen Pause noch etwas die Spritzigkeit. Was für die Offensive gilt, gilt aber auch für die Defensive: Das ganze Team muss sowohl mithelfen, Tore zu schiessen, als auch Tore zu verhindern. Der vorderste Angreifer muss zugleich der erste Verteidiger sein. In der Rückwärtsbewegung müssen wir konsequenter arbeiten.

Bei einer Niederlage würde Düdingen noch tiefer in den Abstiegsstrudel gerissen. Wie gehen Sie mit diesem Druck um?

Wer mit Druck nicht umgehen kann, ist hier fehl am Platz. Wenn wir uns nicht mächtig steigern im Vergleich zu den letzten Spielen, wird der Druck noch mehr zunehmen. Wichtig ist, dass wir zuversichtlich bleiben, positiv denken. Ich weiss, dass wir die Qualitäten haben, um Naters zu schlagen.

Rückrunde (Auf der Suche nach der richtigen Balance)

Die Hinrunde verlief nicht nach dem Geschmack des SC Düdingen. Die 1.-Liga-Fussballer liegen auf dem enttäuschenden 9. Rang.Trainer Martin Lengen nennt allerdings gleich mehrere Gründe, warum es in der heute beginnenden Rückrunde besser werden soll.

In der Vorrunde blieb der SC Düdingen hinter den eigenen Erwartungen zurück. Eine Klassierung zwischen dem siebten und dem ersten Rang war die Zielvorgabe. Mit 16 Punkten aus 14 Spielen belegen die Sensler derzeit indes nur den neunten Platz. Wenn die Düdinger heute in Echallens nach dreieinhalbmonatiger Winterpause den Spielbetrieb wieder aufnehmen, tun sie das trotzdem immer noch mit demselben Anspruch. «Das war ja kein Halbjahresziel, sondern ein Jahresziel», sagt Trainer Martin Lengen. Sein Team müsse also mindestens zwei Ränge gutmachen. «Dafür haben wir acht Wochen hart gearbeitet und dementsprechend gut trainiert. Ich bin zuversichtlich, dass wir in der Rückrunde erfolgreicher sein werden als in der Vorrunde.»

Drei Gründe zur Zuversicht

Gründe zur Zuversicht fallen Lengen auf Anhieb mehrere ein: zum Beispiel die Entspannung an der Verletzungsfront. «In der Vorrunde mussten wir immer wieder rochieren, hatten beispielsweise kaum einmal dieselbe Abwehrkette und brachten so kaum Stabilität rein. Jetzt aber können wir fast aus dem Vollen schöpfen.» Einzig Captain Frédéric Piller und José Muala sind momentan nicht einsatzbereit. Muala hat sich in der Vorbereitung einen Bruch am Fuss zugezogen und fällt noch lange Zeit aus. Piller ist zwar nach seinem Bänderriss zurück im Training, allerdings noch nicht bereit für Ernstkämpfe.

Dafür ist beispielsweise Tolga Mertoglu wieder fit, die Offensivkraft, die in der Vorbereitung im Sommer zahlreiche Tore erzielt hatte, dann aber mit einer Schambeinentzündung die gesamte Vorrunde verpasste. Mertoglu ist zwar wieder leicht angeschlagen, Lengen hofft aber, ihn bereits heute einsetzen zu können. Nebst Mertoglu, der als Stürmer auflaufen soll, dürften heute zwei weitere neue Gesichter in der Startformation stehen: Fabian Stoller und Andi Iseni. Die beiden defensiven Mittelfeldspieler, die der Club vor drei Wochen verpflichtet hat, haben Trainer Lengen bisher überzeugt. Sie sollen Stabilität ins Düdinger Spiel bringen und das Umschaltspiel verbessern.

Das hat – und das ist der dritte Grund für Lengens Zuversicht – in den Testspielen ganz gut geklappt. «Wir haben wiederholt gezeigt, dass in dieser Mannschaft Potenzial steckt, auch wenn wir es in den Testspielen nicht immer über 90 Minuten ausschöpfen konnten.» Dennoch schauten Achtungserfolge wie die beiden Remis gegen die Promotion-League-Teams Breitenrain (2:2) und La Chaux-de-Fonds (1:1) heraus.

Gar kein Grund zur Sorge?

Während Lengen auf die Frage nach den Gründen zur Zuversicht schnell und ausführlich antwortet, kommt ihm bei den Gründen zur Sorge nichts in den Sinn. «Ich bin ein opti­mistischer Mensch und sehe momentan wirklich keinen Grund zur Sorge.»

Völlig sorgenfrei präsentiert sich die Lage des SCD von aussen betrachtet jedoch nicht: Der Vorsprung auf die Abstiegsplätze etwa beträgt lediglich fünf Punkte. Gar keine Angst, in den Abstiegskampf zu geraten? «Natürlich muss man immer auch nach hinten blicken. In dieser ausgeglichenen Liga ist alles möglich, deshalb gilt es sicherlich aufzupassen. Aber ich blicke lieber gegen vorne.» Der Rückstand auf Rang vier betrage schliesslich ebenfalls bloss sechs Punkte. «Wichtig ist einfach, dass wir gut aus den Startlöchern kommen und dadurch schnell nichts mehr mit den Abstiegsrängen zu tun haben.»

In der Vorrunde hatte die junge Mannschaft das Problem, dass es ihr zum Teil an Leadern fehlte. Ist in diesem Bereich im Hinblick auf die Rückrunde Besserung in Sicht? «Ich denke schon. Fabian Stoller beispielsweise hat bereits mit verschiedenen Teams in der Challenge League gespielt. Er ist ein Typ, der eine Mannschaft mitreissen kann und über viel Erfahrung verfügt.» Zudem seien mit Flavio Cassarà und Elvis Corovic in der Vorrunde zwei erfahrene Abwehrspieler oft verletzt gewesen. Mit ihnen kehre ebenfalls Leadership ins Team zurück.

Es ist insgesamt schwierig, zu sagen, wo genau Düdingen den Hebel ansetzen muss. Mit 17 Toren haben die Sensler in der Vorrunde die zweitwenigsten Tore aller Teams erzielt, mit 34 die meisten Gegentore kassiert. «Das zeigt, dass wir uns in beiden Belangen klar steigern und die richtige Balance finden müssen.» Letztlich führe beides über ein verbessertes Umschaltspiel. «Alle Spieler müssen bei Ballverlusten viel schneller zurückeilen und bei Balleroberungen schneller nach vorne umschalten. Das haben wir in der Vorrunde oft nicht gut gemacht.»

Das Kader
Tor: Roger Wingeier, Kai Stampfli. Verteidigung: Yves Boschung (neu, eigene Junioren), Jan Bürgy, Jens Hofer, Fabian Suter, Flavio Cassarà, Loïc Marmier, Elvis Corovic. Mittelfeld: Fabian Stoller (neu, Le Mont), Andi Iseni (neu, Bassecourt), Manuel Schwarz (neu, FC Freiburg), Dino Rebronja, Frédéric Piller, Christoph Catillaz. Ovidu-Ionut Mendizov. Angriff: Tolga Mertoglu, Jose Muala, Adan Rebronja, Ermin Gigic. Abgänge: Valentin Neuhaus (Richemond), Lionel Buntschu (Farvagny/Ogoz), Kevin Hubacher (Kerzers), Yves Schlapbach (berufliche Gründe).

Testspiele: SCD - Ostermundigen 6:1. SCD - Münsingen 0:2. SCD - Thun U21 4:3. SCD - La Chaux-de-Fonds 1:1. Breitenrain - Düdingen 2:2. SCD - Köniz 1:3.

Die F-Junioren des SC Düdingen sind Hallenschweizermeister 2017

Am Samstag, 11. Februar, haben die F-Junioren des SC Düdingen in der St.-Jakob-Halle in Basel den Titel des «Indoor Masters»-Schweizermeisters 2017 der F-Junioren gewonnen.

In einem Teilnehmerfeld mit über 120 Mannschaften an insgesamt zehn Qualifikationsturnieren in der ganzen Schweiz konnte sich die Mannschaft von Trainer Polykarp Schaller am 7. Januar in Yverdon für das Finalturnier mit 32 Mannschaften in Basel qualifizieren. Nach den drei Gruppenspielen gegen Reiden, Winterthur und Wohlen sowie dem Sieg im Sechzehntelfinal gegen Monthey zog die Mannschaft in den hart umkämpften Achtelfinal gegen den SC Zofingen ein. Der zum besten Spieler des Turniers gewählte Düdinger Lumir Dzemaili erlöste die Mannschaft rund 20 Sekunden vor Spielende mit dem entscheidenden Tor zum 2:1-Sieg. Mit zwei weiteren 1:0-Erfolgen gegen den FC Bülach im Viertelfinal und die CS Italien aus Genf im Halbfinal zog man in den Final gegen den FC Frauenfeld ein. Gegen die Ostschweizer, die bis zum Final (inkl. Qualifikationsturnier) kein einziges Spiel verloren hatten, zeigte die Mannschaft ihre beste Leistung, siegte verdient mit 3:0 und sicherte sich den Titel des Schweizer Hallenmeisters 2017.

«Jung ja, aber nicht mehr unerfahren»

Trotz einiger gewichtiger Abgänge blickt der SC Düdingen der heute beginnenden 1.-Liga-Fussballmeisterschaft zuversichtlich entgegen. Trainer Martin Lengen setzt erneut auf die Karte Jugend und hofft, dass sein Team dank der starken Offensive die Top 7 erreicht.

Neun Abgänge und acht Zuzüge–beim SC Düdingen hat sich in der Sommerpause einiges getan. Zahlreiche Wechsel ist man sich beim SCD aus den vergangenen Jahren gewohnt, letzte Saison hatte das Team von Martin Lengen gar neunzehn Mutationen erfahren. Doch anders als im Vorjahr, als der Kern des Düdinger Teams vom Einschnitt ins Mannschaftsgefüge verschont blieb, haben die Sensler heuer die Abgänge mehrerer Stammspieler zu verkraften: Fabian Brügger, Yann Hartmann, Sylvain Mora, Manuel Gloor oder auch Edis Colic standen letzte Saison regelmässig auf dem Platz und tragen nun nicht mehr den roten SCD-Dress. «Es waren alles wichtige Spieler für uns, die zweifellos eine Lücke im Team hinterlassen», sagt Trainer Martin Lengen. «Ich denke aber, dass wir diese mit unseren Zuzügen ziemlich gut schliessen konnten.»

Offensive als Prunkstück

In der Verteidigung soll Flavio Cassarà den Abgang von Hartmann kompensieren. Der 23-Jährige war in der Winterpause dem finanziell lukrativen Angebot von Azzurri LS erlegen, hatte es in Lausanne aber nicht zum Stammspieler geschafft. Nun kehrt der Murtner an seine alte Wirkungsstätte zurück und wird zusammen mit Elvis Corovic die Innenverteidigung bilden. Auf der Position der Aussenverteidiger setzt Lengen auf die jungen Fabian Suter und Loïc Marmier. «Wir haben unsere jungen Spieler letzte Saison forciert und halten weiter an ihnen fest», betont Lengen. «Sie sollen in Zukunft eine Leaderrolle in unserem Team übernehmen.»

Auf der Sechser-Position sollen Frédéric Piller und Dino Rebronja das SCD-Urgestein Fabian Brügger vergessen machen. Unterstützung erhalten sich vom erst 18-jährigen Neuzuzug Kevin Hubacher. «Ich bin überzeugt, dass Kevin dereinst im defensiven Mittelfeld eine wichtige Rolle spielen kann», ist Martin Lengen überzeugt. «Trotz seines jungen Alters ist er bereits sehr nahe an der Mannschaft.»

Am meisten zugelegt hat der SCD in der Offensive. Aussenläufer Sylvain Mora ist zwar nicht mehr im Kader, dafür verfügt Lengen nun über einige starke Alternativen. Der gebürtige Spanier Juan Manuel Parapar spielt einen einfachen, aber sehr schnellen Fussball und hat letzte Saison bei Azzurri LS seine Torgefährlichkeit mit zwölf Treffern offenbart. Dank seinen Allrounderqualitäten dürfte Alhassane Touré für Düdingen wertvoll sein, und Tolga Mertoglu beeindruckte bei seiner SCD-Premiere im Testspiel gegen Richemond mit fünf Toren. Der ehemalige türkische Juniorennationalspieler ist allerdings verletzt und wird die ersten Partien verpassen. Des Weiteren sorgen Adan Rebronja und Christoph Catillaz–beide haben ihre Qualitäten bereits letzte Saison mehrfach unter Beweis gestellt–dafür, dass die Offensive erneut das Prunkstück der Sensler ist. «Das entspricht meiner Philosophie», sagt Lengen, ein Verfechter des offensiven Fussballs. «In den vergangenen zwei Jahren haben wir mehr Tore erzielt als der Gruppensieger. Das ist erneut unser Anspruch.» In seinem Team gebe es zwar wiederum keinen eigentlichen Topskorer, dafür sei die Last des Toreschiessens auf viele Schultern verteilt. «Das ist eine interessante Ausgangslage.»

«Jung und erfahren»

Mit einem Durchschnittsalter von 22,5 Jahren ist das Düdinger Team erneut sehr jung. «Jung ja, aber nicht mehr unerfahren», präzisiert Martin Lengen. «Nun profitieren wir davon, dass wir unsere Nachwuchsleute letztes Jahr konsequent eingesetzt haben und sie so viel Erfahrung sammeln konnten.» Vor allem in der Defensive erhofft sich der Trainer eine Steigerung gegenüber der letzten Saison, als die Unerfahrenheit einiger Spieler dem Team den einen oder anderen Punkt gekostet hat. «Im Defensivverhalten müssen wir dennoch schneller umschalten, damit wir weniger Gegentore erhalten.»

 Gegentoreverhindern soll auch Goalie Roger Wingeier. «Er ist unsere klare Nummer eins», sagt Lengen. Da sich David Moser nicht mit der Rolle des Ersatztorhüters abfinden wollte und den SCD nach einer halben Saison wieder verlassen hat, ist nun Kai Stampfli die Nummer zwei. Auch hier hat Martin Lengen mit der Nomination des erst 18-jährigen Schlussmanns ein mutiges und klares Zeichen zugunsten der Jugend abgegeben. «Ich erwarte wieder eine sehr enge Meisterschaft, wo Tagesform und Wettkampfglück mitentscheiden. Von Platz eins bis sieben ist für uns alles möglich.»