“Hett Seppu”
Masseur und Seelendoktor

Er prägte über Jahre die Düdinger-Sportszene wie kaum ein anderer


Man sah ihn Sonntag für Sonntag auf Fassballplätzen, in Leichtathletikstadien oder an Crosslauf- Strecken - der Düdinger Josef Hett war mit Leib und Seele dem Sport zugetan.

Doch nicht immer war er ein derart passionierter Anhänger des Sports. In seiner Schulzeit hasste er nichts mehr als das Turnen. Sportler waren in seinen Augen «Spinner», die sich umsonst abrackerten. Es brauchte schon ein gravierendes Ereignis, damit sich ein Gesinnungswandel um 180 Grad vollziehen konnte. Denn in seinem letzten Schuljahr erkrankte Josef Hett schwer. «"Ich hatte Diphtherie. Zu der Zeit starben die Leute daran. Ich kann sagen, dass ich Glück hatte. Der Arzt war viermal am selben Tag gekommen. Er hat mich bereits abgeschrieben», blickt er zurück auf diesen entscheidenden Lebensabschnitt. «Er gab mir zu verstehen, dass einem Jugendlichen, der keinen Sport treibt, sowieso ein kurzes Leben beschieden sei.»

In dieser kritischen Situation nahm sich der Düdinger den Ratschlag des Arztes sehr zu Herzen und fing an, Gesundheitssport zu treiben. Vor allem Waldläufe standen auf seinem Programm, aber sehr langsam, weil ihm der Arzt verbot, etwas zu erzwingen. Daneben begann er sich auch für den Sport allgemein zu interessieren.

Er trat als junger Bursche dem SC Düdingen bei

Er trat als junger Bursche dem SC Düdingen bei und diente dem Fussball über 20 Jahre (1945-1965) in den verschiedensten Funktionen (ab 1980 sollten nochmals 25 Jahre dazu kommen). Josef Hett wurde zum Mädchen für alles beim SCD. Ob Vorstandsmitglied, Trainer, Coach, Platzkassier usw. "de Seppu" war für alles zu haben.

Leidenschaft für die Leichtathletik

Seine geheime Leidenschaft galt jedoch schon immer der Leichtathletik. So wechselte er nach diesen SCD-Jahren in die Reihen des Turnvereins, der gerade in einer Krise steckte. Vorstandsmitglieder und Leiter waren zurückgetreten, so dass ein Loch entstand. Josef Hett half den Verein wieder aufbauen und betätigte sich als Jugendriege-Hilfsleiter. «Man sagte mir, ich könne mich um die Leichtathletik kümmern. Diese Aufgabe gefiel mir; es machte mir Spass, mit jungen Leuten zu arbeiten», äussert sich Josef Hett durchwegs positiv über seinen Tapetenwechsel.
Seine Passion war der Zehnkampf. Als bei ihm ein paar Erinnerungen hochkamen, sagte er plötzlich: " Marius Hasler war in erster Linie Fussballer. Ein Trainer hat bemerkt, dass er eine sportliche Karriere machen könnte. Wir haben ihn geholt und wir können heute sagen, dass der Trainer Recht hatte, angesichts der Karriere. Ich erinnere mich noch an die ersten 3000m, die er gelaufen ist. Er wusste nicht, dass er auf der Liste der zehn besten Läufer der Schweiz steht. Wir haben es ihm erst nach dem Rennen erzählt. Bei den Schweizer Meisterschaften konnten wir mit dem Athleten viele Medaillen feiern. Das sind immer aussergewöhnliche Momente."

Nach jahrelanger Aufbauarbeit stellte der TSV Düdingen eine Leichtathletikriege, welche praktisch keinen schwachen Punkt aufwies und in der Kameradschaft und intensives Training grossgeschrieben wurde. Dies waren Voraussetzungen um Spitzenleistungen zu erreichen. Dazu gehörte ein Mannschaftsleiter, welcher Idealist genug war, Zeit und Geduld aufzubringen und die Wettkämpfer immer wieder für ihren Sport zu begeistern vermag. Düdingen besass ihn seit Jahren in der Person von Josef Hett.

Gründer und Vizepräsident des HC Düdingen

Zur selben Zeit, tat sich für Josef ein weiteres Sportliches-Steckenpferd auf - Eishockey. Da einige seiner Freunde welche er aus seiner Tätigkeit beim SCD und TSV Düdingen kannte, sich immer mehr für den Eishockeysport interessierten und in einer neugegründeten Mannschaft Freundschaftsspiele austrugen, war es für Josef kein Thema – er machte mit.

So kam es, dass am 4. März 1966 der Hockey-Club gegründet wurde. Josef Hett als Gründungsmitglied und Vizepräsident.

Er stellte dem HCD, die ehemaligen "Buttig" seines Vaters (Schumacher Hett) als Materialraum zur Verfügung. Er war es auch, der die damaligen "Junioren" des HCD betreute. Eigentlich waren noch keine HCD-Junioren, sondern eine sogenannte "Schülermannschaft", welche beim HC Gotteron, einen Pass lösen mussten um an Turnieren teilnehmen zu können. Die Mannschaften wurden gemischt, so dass Düdinger mit Freiburgern (Unterstedtler - Basse-Ville) in einem Team spielten.

Sein grösstes Steckenpferd war aber das Massieren.

Ob SC Düdingen, HC Düdingen, Turnverein und Volleyball Josef Hett war bei allen Masseur oder Pfleger nicht wegzudenken.

Die Volleyballmannschaften von Düdingen, welche er acht Saisons betreute, schöpften sein Wochenprogramm völlig aus. "Aber jetzt habe ich aufgehört. Es wurde für mich manchmal zu anstrengend, einen ganzen Nachmittag in einem Raum zu verbringen.
Ich bevorzuge Outdoor-Sportarten.

Das Hobby zum Beruf gemacht

All diese Tätigkeiten übte er selbstverständlich in seiner Freizeit aus. Sein Beruf hatte nicht das Geringste mit Sport zu tun. Nach dem Schulabschluss trat er auf Anraten des Arztes («er empfahl mir eine Arbeit, die wegen meines Gesundheitszustands nicht allzu streng sein dürfe») die Stelle eines Druckerei-Arbeiters in einer Kartonnage-Fabrik in Freiburg an. Während 30 Jahren war er dort tätig. «Ich liebäugelte aber schon lange mit dem Beruf des Masseurs. In den Vereinen hatte sich mir schon seit längerem die Möglichkeit geboten, mit diesem Handwerk Bekanntschaft zu schliessen. Deshalb entschloss ich mich, beider nächstbesten Gelegenheit umzusatteln. 1975 war es soweit: in der Druckerei-Branche kriselte es. Wir mussten die Arbeitszeit auf drei Tage pro Woche reduzieren. Dadurch besass ich Zeit, mich mehr dem Massieren zu widmen. Um etwas in den Fingern zu haben, besuchte ich an Wochenenden einen Massage-Kurs in Bern, den ich mit dem Diplom abschloss.»

Ende 1975 eröffnete dann Josef Hett eine Massage-Praxis in Düdingen. Sein Traum war in Erfüllung gegangen.

Immer öfters hörte man nun in den Vereinen die Worte: "gang zum Hett Seppu"! Aus eigener Erfahrung (Fussball, Hockey) weiss ich dass, wenn der Doktor eine Salbe gegen die Verletzung angeordnet hatte, ein Gang zum "Seppu" unverzichtbar war. Wenn es nicht die Massage war die einem Besserung versprach, waren es doch seien Kompetenten Ratschläge.

Wirksame Mund-zu-Mund-Werbung

Als Düdinger hatte Josef Hett den Vorteil, dass man ihn kannte im Dorf. Seine ersten Patienten rekrutierten sich denn auch aus Einheimischen, hauptsächlich aus Mitgliedern der Vereine. «Ich brauchte gar nicht gross die Werbetrommel zu rühren», erinnert er sich an das Anfangsstadium. «Es sprach sich unter den Sportlern herum, und die Mund-zu-Mund-Werbung ist viel wert- und wirkungsvoller als Inserate in Zeitungen. Heute suchen mich Leute aus der näheren und weiteren Region auf. » Josef Hett legte allerdings Wert darauf, zu präzisieren, dass er nicht im Besitz des eidgenössischen Diploms sei. Um dieses zu erlangen, sollte er eine viereinhalbjährige Physiotherapeuten-Schule besuchen. Er war somit auch nicht von den Krankenkassen anerkannt. «Mit den Ärzten stehe ich aber in gutem Einvernehmen», beteuerte er. «Ich hätte gar kein Bedürfnis, Physiotherapeut zu werden, denn ich habe auch so genug zu tun. Wichtig ist vor allem, dass man seriös arbeitet.»
Seine Patienten ware vorwiegend Sportler. Praktisch jede Sportart, die in der Region ausgeübt wird, ist vertreten. Besonders häufig kamen Schwinger und Eishockeyspieler in die Therapie, da bei ihnen die Verletzungsanfälligkeit am grössten war. Die Hauptaufgabe von Josef Hett bestand darin, die Sportler wieder fit zu kriegen. Wichtig war die Massage aber auch als Präventivmassnahme: «Durch das Bearbeiten von Muskeln, Bändern und Sehnen beugt man Verletzungen in grossem Masse vor», führte Hett aus. « Durch das Massieren des Fusses beispielsweise wird die Gefahr des Übertretens gemindert. Es dauert jedoch drei Tage, bis sich eine Behandlung als wirksam erweist.» Besorgt zeigte sich Josef Hett über die Zunahme der Verletzungen bei Fussballern: « Fussball wird immer härter, woran die Trainer die Hauptschuld tragen. Ich habe einmal einen 2.-Liga-Trainer gehört, der seinen Spieler einimpfte, der Gegner müsse nach fünf Minuten die Knochen spüren. » Den SC Düdingen begleitete er an jeden Meisterschaftsmatch, an jedem wichtigen Meeting oder Crosslauf war er mit dem Turnverein unterwegs. Dort musste er neben Muskel manchmal auch Seelenmassage betreiben: «Ich versuche, den Athleten Selbstvertrauen einzuflössen, denn dieses ist eine wichtige Voraussetzung für den Erfolg. Es ist zum Beispiel schon vorgekommen, dass einer davonlaufen wollte nach einem misslungenen Einsatz. Da muss man ihm dann lange zureden, bis er weitermacht.» In seiner Praxis dauerte eine Behandlung 20 bis 25 Minuten. Seine Werkzeuge waren seine Hände, als Hilfsmittel verwendete er Salben und Cremen. Im Durchschnitt behandelte Josef Hett sechs bis zehn Patienten pro Tag. An bestimmten Tagen konnten es hingegen bis zu 14 werden. Er achtete allerdings darauf, dass er seinen Kalender mit Terminen nicht zu dicht gedrängt hat, denn er wusste, wie ungern Patienten warten. Einen besonderen Service bot der Masseur während den Olympischen Spielen 1976 an: In seinem Behandlungszimmer stand ein Fernsehapparat. Er sei halt selber ein zu «angefressener» Sportfan, als dass er auch nur einen Wettkampf verpassen würde.

Josef Hett nach 12 Jahre Abwesenheit zurück beim SCD

Als die 1. Mannschaft des SC Düdingen 1980, das erste Mal in seiner Club-Geschichte in der dritthöchsten Liga der Schweiz spielte, musste den zulange vermissten Posten eines Pflegers gefunden werden. Jeder Spieler ging damals mit seinen Verletzungen in die Praxis von Josef Hett. Also warum nicht den "Wunderdoktor" für diesen Posten anfragen. Wie wir ihn kannten, sagte er ja – und es wurden 25 Jahre daraus.

Er hatte also seinen Posten in der 1 Liga: "Mein erstes Spiel war in Basel gegen Old Boys. Ich war nervös wie nie zuvor und wäre das nicht schon genug, hat sich der Torhüter beim Aufwärmen wieder den Daumen ausgerenkt ". Für ihn war es auch eine Rückkehr zum Club, von welchem er sich vor 12 Jahren "verabschiedet" hatte. Also an dem Tag, als ihn jemand faul nannte. Er schickte sofort sein Kündigungsschreiben. Er blieb aber all die Jahre ein aufmerksamer Zuschauer: "Ich habe mir die Spiele angesehen, weil ich immer die Leidenschaft für Fussball hatte".

Der Club konnte sich nun glücklich schätzen, auf einen professionellen Masseur zählen zu können. Er war für jedes "Boboli" zur Stelle. Er sagte aber immer wieder: "Wenn ich sehe, dass es nichts für mich ist, fasse ich es nicht an. Ich schicke den Sportler dann zu einem Arzt. Der Vorteil für die Mannschaft ist, dass ich schon am Sonntagabend sagen kann, wie es den verletzten Spielern geht und ob der Trainer mit ihm in nächster Zeit rechnen kann oder nicht. "

Auf die Frage, wie er das Ganze rund um die Mannschft sehe, antwortete er mit einem kleinen Grinsen: "Ich wage es nicht, alles zu sagen, sonst muss ich schon am Sonntag meine Koffer packen." Wenn er manchmal nicht einverstanden war mit den Anführungen der Trainer steckte er die Faust in die Tasche. Er beobachtet, kritisierte aber nicht.

Es war eine kurze Saison in der 1. Liga. Dazu meinte er: " Als wir in der ersten Liga waren, hatten wir die Mittel, für den Ligaerhalt, aber der Verein hat dann einige fatale Fehler gemacht. " Die Zeit danach sah er nicht ganz so rosig. Auf die Frage eines Journalisten, wie es den nun um die erste Mannschaft stehe, meinte er: "Jetzt ist es einfach, gegen Düdingen zu spielen. Du neutralisierst Zurkinden et voila. Es ist Zeit, den Hang hinaufzuklettern um aus dieser Situation herauszukommen."

Auch die Trainerwechsel hatten ihn geprägt: "Seit ich 1980 wieder zur Mannschaft gestossen bin, hatte ich bereits zwölf Trainer. Und wir dürfen nicht vergessen, dass Rietmann vier Jahre dabei war und Flühmann gerade in seiner dritten Saison ist." Nach dem Abstieg aus der 1. Liga habe es immer wieder Trainerwechsel gegeben, welche für die Mannschaft nicht gut waren, meinte Hett. "Da erinnere ich mich an eine Anekdote, in der dem Berner Rolf Knus, der die 1. Mannschaft übernommen hatte, für seine "Unkenntnis des Fussballs" entlassen wurde. Drei Monate später erhielt er ein Bundesliga-Diplom!"

Und wieder war es der Aufstieg in die 1. Liga, bei welchem man den Werdegang von Josef Hett und dem SC Düdingen in die Annalen aufnehmen kann. 25 Jahre Masseur der 1. Mannschaft waren für den 76järigen "Seppu" genug. Doch er war auch danach bei jedem Heimspiel an der Linie um seine 1. Mannschaft zu sehen. Auch nachdem es ihm gesundheitlich nicht mehr so gut ging, konnte man den "Hett Seppu" noch hi und da im Birchhölzli antreffen.

Von seinen Altersbeschwerden erlöst, schlief er in seinem 89. Lebensjahr (25.08.2018), friedlich ein.

Für viele bleibt er aber unvergesslich. Unser SCD-Erenmitglied "Seppu" Hett hat Grosses geleistet für unseren Verein. Unvergesslich vor allem bleibt er dem Club als Masseur, ausgerüstet mit Kübel und Schwamm, stets zur Stelle, war das "Boboli" noch so klein.
 



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